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Diese Richter in Ulm könnten Tiere beleidigen: Lutz-Rüdiger von Au, Dr. Markus Bühler, Josef Lehleiter, Hans Lohrmann

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Der sich hier schriftlich äußernde Mensch, Freifam-Chefredakteur Sandro Groganz, wurde von der Staatsanwaltschaft Ulm ob seines als Beleidigung missverstandenen respektvollen Umgangs mit Tieren angeklagt und hat sich deshalb vor einem Strafrichter am Amtsgericht Ehingen zu verantworten.

Die der Anklageschrift zufolge als Beleidigung einer wahrscheinlich als Richter zu identifizierenden menschlichen Lebensform einzuschätzenden, tierisch guten Formulierung, lautet wie folgt:

„In Ermangelung öffentlich verwendbarer Fotos von Richtern verwenden wir Tierfotos. Ähnlichkeiten zwischen Tier und Richter sind rein zufällig. Liegen Fotos von Richtern vor, so ist deren Verwendung nicht als Beleidigung der diesen ähnlichen Tieren beabsichtigt.“

Weswegen die Staatsanwaltschaft Ulm in diesen tierwürdigen Worten, die sich am Textende so mancher Berichterstattung von Freifam befinden, eine Richterbeleidigung erblickt und nicht den Ausdruck der von 81% der Deutschen geteilten Ansicht der Gleichwertigkeit von Mensch und Tier, lässt sich der substanzlosen Anklageschrift nicht entnehmen.

Der Staatsanwaltschaft, so scheint es, wurde die Einsicht in die von Natur aus verliehene Würde von Tieren nicht gegeben. Der Staatsanwaltschaft Ulm scheint es an Sensibilität gegenüber Tieren zu mangeln. Dies stimmt nicht heiter, im Gegenteil, es bedrückt, denn wer das ihm fremde Leben nicht ehrt, der ehrt das Leben an sich nicht.

Diese Abschweifung ins Existentielle möge entschuldigt werden. Widmen wir uns nun stattdessen der tierischen Tatsache, dass in Ulm vier Richter tätig sind, deren Tätigkeit eine Beleidigung von Tieren (fast hätte ich Kinder geschrieben, denn dies ist des Pudels Kern) bedeuten könnte. Wer sich bei der nun folgenden Analyse spontan von einem Pferd getreten fühlt, der hat vermutlich noch nie ein Schwein pfeifen gehört.

Nun denn, widmen wir uns im Einzelnen der mutmaßlichen richterlichen Beleidigung am Tiere.


Hans Lohrmann, Stellvertretender Direktor des Amtsgericht Ulm

Es wurde auf Freifam anstelle des Bildnisses des stellvertretenden Direktor des Amtsgericht Ulm, Herr Hans Lohrmann, ein äußerst schönes Tierbild verwendet, nämlich das eines vollkommen zufriedenen und in sich ruhenden Walrosses. Obgleich dem Verfasser keinerlei Kenntnis über emotionale Zustände des Herrn Lohrmann bekannt waren, dürfte der dem Foto zu entnehmende emotionale Zustand des Walrosses nicht als Beleidigung aufgefasst werden, denn die von einem Richter erwartete Weisheit entspringt nach einhelliger Volksmeinung einem ruhigen Gemüt. Wobei über die Weisheit des Herren Lohrmann ebenso wenig bekannt ist wie über seine Emotionen, da sich zumindest die hier vorkommenden vier Richter einem selbstreflektiven Bewusstseinszustandes ohnehin womöglich nicht anzunähern vermögen.

Aber, ich schweife wieder ab. Ein Beleidigung des Herren Lohrmann kann durch die Verwendung des Walross-Fotos und auch nicht im Kontext der oben erwähnten, in der Anklageschrift enthaltenen, dem Liebhaber der Satire womöglich einem Erweckungserlebnis gleichkommenden Formulierung, vorliegen, denn: Walrösser haben Menschen schon immer als äußerst nützliche Tiere gedient. Ihre erlegten Körper lieferten Nahrung, Baumaterial, Material für Kleidung und mehr. Die Nützlichkeit des Herrn Lohrmann steht dagegen in Frage, da er als Richter womöglich Kindern geschadet hat.

Ein Richter, der sich wie Herr Lohrmann daran beteiligt hat, Kindern ihr Recht auf beide Eltern vorzuenthalten, hat seinen der Natur dienenden Zweck verfehlt. Wieso der Natur? Weil die Betreuung der Kinder durch ihre leiblichen Eltern laut Grundgesetz das natürliche Recht der Eltern ist, welches Richter zu schützen haben. So ist denn einfach zu verstehen, dass ein Walross sich durchaus beleidigt fühlen könnte, wenn es eine äußere Ähnlichkeit zwischen sich und dem Herren Lohrmann erkennen sollte. Man darf sich der Hoffnung hingeben, dass Walrössern diese Art der Beleidigung erspart bleiben dürfte, da in Ulm bislang keine Walrösser in der Donau gesichtet wurden.

So viel zum Corpus Tierlikti in Bezug auf Herrn Lohrmann. Analog verhält es sich mit den folgenden weiteren drei Richtern, von denen einer jedoch tatsächlich in Ulm heimische Tiere beleidigen könnte.


Josef Lehleiter, ehemaliger Direktor des Amtsgericht Ulm

Machen wir weiter mit dem einstigen Direktor des Amtsgericht, Herr Josef Lehleiter. Für ihn wurde nach dem Zufallsprinzip das Foto eines Erdmännchens in Freifam-Artikeln verwendet. Diese possierlichen Tierchen wechseln sich beim Wachehalten ab. Leider hat Herr Lehleiter das ihm vom Grundgesetz auferlegte Wächteramt über das natürliche Recht von Kindern auf Betreuung durch beide Eltern, vollständig vernachlässigt. Den Ansprüchen einer Erdmännchen-Kolonie dürfte Herr Lehleiter daher nicht genügen.

Ein Glück, dass auch Erdmännchen in Ulm bislang in der freien Wildbahn nicht gesichtet wurden, und daher eine alleine aufgrund einer womöglich vorherrschenden äußeren Ähnlichkeit des Direktor a.d. mit den Erdmännchen eintretenden Beleidigung äußerst unwahrscheinlich ist. Allerdings hat der Richterpensionär in einem Zeitungsartikel angekündigt, er wolle die Welt bereisen, weshalb hiermit vorsorglich die höchste Wächteralarmstufe für Erdmännchen ausgesprochen wird.


Dr. Markus Bühler, Familienrichter am Amtsgericht Ulm

Kommen wir zu dem Familienrichter, für den gilt: eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass Richter Dr. Markus Bühler die Kinderrechtskonvention respektiert. Nichtsdestotrotz war es reiner Zufall, dass in Freifam-Berichten über Herr Dr. Bühler das Foto eines Lama, also eine Art der Kamele, verwendet wird. Wegen ihres sanften Gemüts eignen sich Lamas sehr gut für die tiergestützte Therapie. Leider hat Herr Dr. Bühler als Familienrichter unter Beweis gestellt, dass er eher dazu neigt, in seiner Richterrolle Kinder psychisch zu schädigen. Entsprechend dürfte sich ein Lama beim Zusammentreffen mit Herr Dr. Bühler beleidigt fühlen, insbesondere die therapeutischen Lamas. Doch, zum Glück, gibt es auch der Lamas in Ulm keine frei herumlaufenden und schon gar nicht in schwarzer Robe.


Lutz-Rüdiger von Au, Präsident des Landgericht Ulm

Kommen wir zum letzten Richter, dem Landgerichtspräsidenten Herr Lutz-Rüdiger von Au. Er hat mit seinem Strafantrag gegen den Freifam-Chefredakteur den tierischen Stein ins rollen gebracht. Für ihn wurde bislang ein Foto seiner Person auf Freifam verwendet. Sollte dies nicht mehr möglich sein, wird nach dem Zufallsprinzip voraussichtlich das Foto einer Ratte verwendet werden. Leider würde auch Herr von Au wie die oben genannten Richterkollegen in Ulm nicht den tierischen Anforderungen genügen. Ratten sind nach wissenschaftlichen Erkenntnissen empathische Nagetiere, die in ihrem Spielverhalten nach moralischen Prinzipien handeln. Leider schützt Herr von Au lieber Richter, als die vom Richter geschädigten Kinder. Hoffen wir im wohlverstandenen Interesse der in Ulm lebenden Ratten, dass auf Freifam weiterhin wie bisher das Foto des Herrn Lutz-Rüdiger von Au verwendet werden kann.


Staatsanwaltschaft Ulm

Als intellektuelle Stütze für die Staatsanwaltschaft Ulm, der die Gleichwertigkeit von Mensch und Tier ein fremder Gedanke zu sein scheint, wird nun explizit der Hinweis erbracht, selbst wenn dies ohnehin schon die Spatzen von den Dächern pfeifen, dass vorliegender Text zumindest als Sati(e)re einzuordnen ist – eventuell auch als Parabel über staatliche Willkür gegen Kinder.

Für alle Spatzen sei zum Schluss noch die wichtige Bemerkung erlaubt, dass in der soeben verwendeten Redewendung keine beleidigende Anspielung auf sogenannte Spatzenhirne vorliegt, denn auch diese vollziehen ihre Arbeit in vollkommenem Einklang mit natürlichen Prinzipien – was leider von der Staatsanwaltschaft Ulm in Bezug auf die Kinderrechte nicht behauptet werden kann. Die Staatsanwaltschaft erweist sich als nicht nur gegenüber Tieren, sondern auch gegenüber Kindern unsensibel.

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