Sandros Weg zum bewußt liebenden Vater

Die Emanzipation der Frauen war eine notwendige und gute gesellschaftliche Entwicklung zu mehr Freiheit für alle. Meine Generation an Männern hat sie unterstützt.

Mit 17 las ich Wilfried Wiecks Buch „Wenn Männer lieben lernen“. Dadurch bekam ich eine neue Perspektive, was es heißt, ein liebender Mann und Vater zu sein.

Leider habe ich sie aus den Augen verloren und in meiner Ehe dominierte die traditionelle Rollenverteilung. Im Laufe der Ehekrise und danach, erinnerte ich mich wieder meiner Werte als liebender Mann und Vater, was ich anders machen wollte, wie ich als Vater sein wollte.

Die Emanzipation der Frauen, hat mich als Mann auf den Weg der Liebe gesetzt. Zunächst in meinen jungen Jahren, dann mit dem Zerbrechen meiner Ehe.

Lieben zu lernen heißt, sich selbst zu erkennen. Über die Jahre lernte ich, meine Gefühle besser wahrzunehmen und erkannte, wie viel davon verschüttet war. Als ich den Ursachen auf den Grund ging, musste ich feststellen, dass die Frauen in meinem Leben maßgeblich an der Unterdrückung meiner Gefühle beteiligt waren und davon profitierten, emotional wie materiell.

Der Feminismus, der mich dazu gebracht hat, ein liebevoller Vater zu sein, hat mich an den Punkt gebracht, an dem ich erkannte, wie Frauen Männer unterdrücken. So wie der Feminismus die Schattenseiten der Männlichkeit und der Väter aufgedeckt hat, sehen heute emanzipierte Männer und Väter die Schattenseiten der Weiblichkeit und der Mütter.

Entrechtete Väter können heute sehr gut nachempfinden, wie es unterdrückten Frauen einst ging und teilweise heute noch geht. Die psychischen Folgen gesellschaftlich geduldeter Unterdrückung sind für beide Geschlechter die selben. Das ist das Paradoxe an der Situation strittiger Scheidungen: Im Grunde geht es den Männern und Frauen gleich, trotzdem bekämpfen sie sich.

Die irrationalen und extremen Reaktionen von Müttern, die ihre Kinder mit dem Vater nicht teilen wollen, entspringen der Angst vor Männern, die sich in Frauen über Generationen hinweg festgesetzt hat. Die Kehrseite der Medaille ist, dass Männer ihre Gefühle nicht wahrnehmen konnten, weil diese von Müttern und Frauen unterdrückt wurden, um den Sohn oder Ehemann besser kontrollieren zu können. Dies ist die Angst der Männer vor der Frau.

Wer bereit ist, die Schattenseiten beider Geschlechter anzuschauen, der wird feststellen, dass sie sich gegenseitig bedingen. Wer Angst vor der physischen Überlegenheit eines Mannes hat, der muss ihn psychisch beherrschen. Wer Angst vor den psychischen Manipulationen einer Frau hat, der muss sie physisch beherrschen.

Wenn Männer wie Frauen ihre negativen Seiten erkennen, dann erst können sie die Verantwortung für ihr Handeln übernehmen, sich selbst vergeben, die eigenen menschlichen Schwächen und die der anderen akzeptieren. Wer seine eigene Schuld am Geschlechterkampf erkennt, der findet zur Liebe.

Es nützt nichts, das andere Geschlecht nur anzuklagen und sich selbst als Opfer darzustellen. Die Opferhaltung gestaltet nichts positives, weil sie auf Angst statt auf Liebe basiert. Angst führt dazu, dass andere manipuliert, ausgegrenzt und unterdrückt werden. Dies gilt für Männer wie Frauen.

Die Emanzipation der Geschlechter ist ein dynamischer Prozess zwischen Frau und Mann, in dem immer wieder die Schattenseiten deutlich werden. Für Deutschland birgt das Engagement entrechteter Väter die Chance einer gerechteren Gesellschaft, in der beide Geschlechter auch in familiären Angelegenheiten und darüber hinaus gleichberechtigt sind.

Der Weg zum liebenden Vater führt auch zur liebenden Mutter, so wie der Feminismus zum liebenden Vater geführt hat. Es ist ein fortwährender Prozess, in dem diejenigen, die sich für ihre Rechte einsetzen, gleichzeitig ihre Schattenseiten offenlegen, je vehementer sie kämpfen.

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