Mitgefühl mit dem Schläger

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Männer, die Frauen schlagen – pfui, pfui, pfui! Gestörte, Kriminelle, Gewaltverbrecher!

Niemand hat Mitgefühl mit einem Mann, der bei einer Frau zuschlägt oder genauer formuliert: niemand darf mit ihm Mitgefühl haben.

Dabei liegt genau darin ein wichtiger Schlüssel für das Ende des Geschlechterkampf und den Frieden in Familien: Frauen sind historisch bedingt Meister psychischer Gewalt. Sie ist unsichtbar und verletzt nicht den Körper, sondern die Seele.

Männer, die Frauen schlagen, waren oder sind Opfer von psychischer (und z.T. auch physischer) Gewalt durch Frauen. Das tückische an psychischer Gewalt ist, dass die betroffenen Männer sie nicht durchschauen, weshalb sie ja zuschlagen. Könnten sie verstehen, was mit ihnen geschieht, dann würden sie ihre Gefühle spüren, ausdrücken und reif damit umgehen.

Die Realität ist, dass viele Mütter ihre Söhne emotional haben verkümmern lassen durch – genau – psychische Gewalt, um sie zu kontrollieren. Zum Beispiel hörten sie Sätze wie „Du bist undankbar!“ oder in der Bäckerei wurde erzählt, dass der Sohne heute Nacht wieder ins Bett gemacht hat. Dies sind Demütigungen, die herrschsüchtige Mütter treffsicher platzieren können.

Wer in jungen Jahren so etwas erlebt, erlebt es als „normal“, weil dieses Verhalten schon immer da war. Ein Junge nahm es sozusagen mit der Muttermilch auf. Stellt man sich nun einen solchen Jungen als erwachsenen Mann vor, der mit einer Frau zusammen lebt, die ihn wie einst Mutti erniedrigt, dann wird in ihm die verdrängte Wut auf die Mutter aktiviert, aber er weiß sich nicht zu helfen: er versteht nicht was mit ihm gemacht wird und Mama gegenüber war er wehrlos, also erlebt er sich jetzt wieder als ohnmächtig.

Die Partnerin spielt das selbe Spiel wie einst die Mutter. Sie mißachtet ihren Freund oder Ehemann, um ihn für ihre eigenen Zwecke zu mißbrauchen. So wie die Mutter ihren Sohn gefügig machte, indem sie ihn entwertete, macht dies heute die Partnerin.

In seiner unreflektierten Wut und Ohnmacht wird der Mann zuschlagen. Körperliche Gewalt ist leicht nachweisbar, emotionale nicht. Der Mann kann leicht als Schuldiger gebrandmarkt und gesellschaftlich geächtet werden, dabei ist emotionale Gewalt genau so schlimm wie körperliche und bestimmt langwieriger, denn die Wunden der Seele heilen nicht automatisch.

Eine geschlagene Frau wurde sichtbar verletzt und bekommt Hilfe. Natürlich zieht körperliche Gewalt auch seelische Gewalt nach sich. Ein Mann, dessen Seele verletzt wurde und der sich nur noch körperlich zu wehren wusste, wird gesellschaftlich verachtet und verurteilt.

Dabei ist er nur die Kehrseite der Medaille. So wie sich Frauen der körperlichen Gewalt durch Männer mit psychischer Gewalt erwehren mussten, so mussten sich Männer der seelischen Gewalt durch Frauen mit körperlicher Gewalt erwehren.

Das Problem ist wie schon gesagt die Sichtbarkeit. Solange unsere Gesellschaft die unsichtbare Gewalt der Frauen nicht wahrnimmt und sich eingesteht, wird es zwischen den Geschlechtern und in Familien keinen Frieden geben. Wir brauchen auch Mitgefühl mit dem Schläger, damit Männer und auch Frauen persönlich reifen können.

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8 comments

  1. Oswin Haas 2 Mai, 2018 at 09:45 Antworten

    In weiten Teilen volle Zustimmung.
    Nur: „So wie sich Frauen der körperlichen Gewalt durch Männer mit psychischer Gewalt erwehren mussten, so mussten sich Männer der seelischen Gewalt durch Frauen mit körperlicher Gewalt erwehren.“
    Wir kommen aus dem Gewaltzirkel nicht heraus, wenn wir Männer und Frauen weiter ihre spezifische Gewalt anwenden lassen. Wir müssen aus dem System Gewalt überhaupt heraus!
    Wir müssen uns fragen, WARUM Weiblein und Männlein, warum es im Paarverhältnis (aber nicht nur dort) überhaupt zu Gewalt kommt. Wie kommt Gewalt zustande? Warum werden Menschen gewalttätig?

    Gewalt, Krieg, Übervorteilung und wie all die hübschen Dinge heißen, die sich Menschen gegenseitig antun können, kommen dann auf, wenn die involvierten Menschen das Gefühl haben: „Der ANDERE ist gegen mich, er will mir ans Leder. Oder zumindest: der oder die versteht mich ganz einfach nicht und zwingt mich in eine Welt, in der ich nicht sein möchte.“ Wie ist sowas möglich? Es ist dann möglich, wenn Mensch nicht mehr in einer Welt leben, nicht mehr gemeinsam die konkret lebensrelevanten Dinge angehen, sondern verschiedenen Welten angehören, wenn folglich die Menschen voneinander entfremdet sind. Genau das ist es aber, was in unserer „Gesellschaft“ (von Geselligkeit keine Spur) quasi mit jedem Atemzug eines jeden von uns kultiviert wird: das Sein in ganz INDIVIDUELLEN, also vom anderen völlig verschiedenen Welten. Die Frau ist Lehrerin, lernt dort bestimmte Leute kennen, bekommt bestimmte Interessen, etc. Der Mann ist IT-Fachmann, lernt dort andere Leute kennen, bekommt andere bestimmte Interessen, etc. Das Kind geht in die 5. Klasse, lernt dort wieder andere Leute kennen, bekommt wieder andere bestimmte Interessen, etc. Das Gesamtresultat? Menschen, die SYSTEMATISCH in Konflikt miteinander geraten müssen, weil sie sich einfach nicht mehr verstehen KÖNNEN, und der Ehemann, die Ehefrau, das Kind als Störfaktor für die jeweils eigene Welt empfinden MÜSSEN. Dann ist die Wut gleich um die Ecke und auch bald Gewalt.

    Die GANZE Gesellschaft ist krank. ALLES driftet auseinander, weil ALLES nur noch um persönlichen Profit und persönlichen Konsum geht. Wollen wir weniger Gewalt, dann brauchen wir VIEL mehr konkret notwendige Kooperation, wo die Menschen permanent erleben, dass sie einander BRAUCHEN. Und wenn die Menschen sich wieder wesentlich näher sind, wenn sie in GEMEINSAMEN Welten leben, dann braucht es zur Ehe-Konfliktlösung auch keine Familiengerichte, Verfahrensbeistände oder Gutachterinnen mehr. Dann wird das gemeinsam mit den Freunden und Verwandten gelöst, die mit der Familie die gemeinsame Welt teilen und sich gut kennen, ganz zu schweigen davon, dass in einer GEMEINSAM GETEILTEN Welt Konflikte viel seltener sind!

  2. Tipps zum Umgang mit Wut für Eltern und Kinder – Freiheit für Familien 2 Juni, 2018 at 07:01 Antworten

    […] Wut ist eigentlich Mitgefühl: Wut entsteht, weil uns andere etwas angetan haben und mit uns dabei kein Mitgefühl hatten. Wut ist folglich ein Platzhalter für Mitgefühl und hat die selbe Qualität/Energie. Wenn Eltern ihr Kind mit Zimmerarrest bestrafen, dann wird ihnen Mitgefühl für ihre Wut verwehrt. Wenn sie sich dafür beim Kind entschuldigen, dann bekommt es wieder Mitgefühl. Hat ein Kind kein Mitgefühl für seine Wut erhalten, dann kann es in der Wut auch kein Mitgefühl haben. Aus dieser Spaltung wird unser verzerrtes Bild vom aggressiven Mann und der hilflosen Frau gespeist. […]

  3. Verzeihen und Bestrafen – Freiheit für Familien 21 Juni, 2018 at 06:02 Antworten

    […] Dass Verzeihen weiblich ist und Bestrafen männlich, wird daran deutlich, dass mit den Geschlechtern so umgegangen wird, wie von ihnen erwartet wird, dass sie mit Schuld umgehen. Man lässt sie spüren, wie sie sein sollen. In Deutschland wird Frauen vieles verziehen. Wenn sie ihren Mann schlagen, dann „hat er es wohl verdient“ oder die Frau ist psychisch krank. So oder so verdient sie Mitgefühl. Schlägt jedoch ein Mann seine Frau, dann ist dies unverzeihlich und muss hart bestraft werden. […]

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