Sign in / Join

Versagte die ehemalige Jugendamts-Mitarbeiterin Alena Witt beim Kinderschutz im Fall Helmbrechts?

3576
0
Share:

Schon im August 2017 erfuhr die ehemalige zuständige Sachbearbeiterin Alena Witt des Kreisjugendamts Hof davon, dass eine Grundschülerin in Helmbrechts von ihrer Mutter geschlagen wurde. Frau Witt ließ das Kind jedoch bis zur Abgabe des Falls zwei Jahre später im Stich.

Wir berichteten schon über die Grundschulleiterin Karin Rüsing, sowie den Verfahrensbeistand Klaus Richter, die beide nicht alles unternahmen, um das Kind in Helmbrechts vor der körperlichen und seelischen Gewalt der Mutter zu schützen. Nun liegen Freifam auch ein Arztattest sowie Schreiben des zuständigen Kreisjugendamts Hof vor, die ein Versagen der ehemals zuständigen Sachbearbeiterin im Kinderschutz nahelegen.

Der damals zuständigen Mitarbeiterin, Frau Alena Witt (geborene Stützinger), war die körperliche Gewalt im Umfeld der Mutter schon seit August 2017 bekannt. Zu diesem Zeitpunkt lag ihr das Attest einer Kinderärztin vom 16.08.2017 vor, in dem festgehalten wurde:

“In einem Gespräch mit [dem Mädchen] (ohne Vater), gibt sie auf die Frage, wo sie am liebsten wohne möchte, an: ‘Beim Papa, weil […] ich von der Mama ihrem Freund öfter geschimpft werde, manchmal auch geschlagen.'”

Maßnahmen zum Schutz des Kindes ergriff Frau Witt daraufhin keine, auch benachrichtigte sie das Familiengericht nicht. Zwar gibt das Attest selbst keine Hinweise darauf, dass die Mutter gewalttätig gegen das Kind vorging, doch immerhin zeigte es, dass die Mutter die körperliche Züchtigung des Kindes durch den Freund offenbar geschehen ließ. Damit stand die Frage im Raum, ob die Mutter gewalttätige Erziehungsmethoden toleriert oder sogar selbst durchführt. Auch wurde das Kind von Frau Witt nicht zu dem Inhalt des Attests befragt, wodurch nicht geklärt wurde, ob das Kind eventuell missverstanden wurde und nicht der Freund, sondern die Mutter es schlägt.

Diese Frage beantworte sich fast zwei Jahre später, am 28.06.2019. An diesem Tag erzählte das betroffene Kind im Beisein einer anderen Jugendamts-Sachbearbeiterin, sowie einer Lehrerin in der Grundschule in Helmbrechts folgendes:

“[Das Mädchen] erklärt, dass ihr die Mama eine auf den Po gebe, wenn sie Hausaufgaben machen soll, dies tue aber nicht weh.”

Diese Zeile lässt sich der Stellungnahme des Kreisjugendamt Hof vom 19.08.2019 zu einem Gerichtsverfahren entnehmen. Überraschend schritt das Jugendamt auch zu diesem Zeitpunkt nicht ein, um das Kind zu schützen. Offenbar hält es Frau Witt für pädagogisch vertretbar, Kindern mit körperlicher Bestrafung das Schulwissen einzubläuen. Wie berichtet, war die gewalttätige Mutter Elternbeirätin in der Otto-Knopf-Grundschule in Helmsbrecht, was wiederum befürchten lässt, dass solche antiquierten Erziehungsmethoden auch von der Rektorin geduldet werden könnten.

Das Versagen der einstigen Jugendamts-Sachbearbeiterin Alena Witt wird jedoch noch deutlicher, wenn man bei dem bisher Geschilderten berücksichtigt, dass Frau Witt schon mindestens seit dem 12.10.2018 wusste, dass das Mädchen Tagebücher über die Gewalt der Mutter gegen das Kind schreibt. Auch dies lässt sich der oben genannten Stellungnahme vom 19.08.2019 entnehmen. Darin heißt es:

“Am 10 Dezember 2018 teilte [Die Mutter] per E-Mail mit, dass [das Mädchen] von ihrem Vater psychisch unter Druck gesetzt wird. [Das Mädchen] habe ihrer Mutter erzählt, dass ihr Vater ihr Sätze diktiere, die sie dann in einem Block schreiben müsse. Unter anderem musste sie schreiben, dass Mama lügt und schlägt.”

Offenbar hat die Sachbearbeiterin Frau Witt der gewalttätigen Mutter geglaubt. Stattdessen hätte ein Kinderpsychologe beauftrag werden müssen, der den tatsächlichen Sachverhalt ermittelt. Außerdem wusste Frau Witt schon aus dem ärztlichen Attest im Jahr 2017, dass das Mädchen damals ohne Beeinflussung des Vaters einer Unabhängigen Person von der Gewalt im Umfeld der Mutter berichtete. Noch dazu erzählte die Mutter der Sachbearbeiterin, was das Kind gesagt haben soll. Die beiden spielten also Stille Post und die Mutter hätte sowieso als befangen und nicht objektiv eingeschätzt werden müssen, da sie in eigener Sache agierte.

Zwar lässt sich anhand der Freifam vorliegenden Dokumente nicht feststellen, ob Frau Alena Witt irregeführt wurde oder vorsätzlich den Schutz des Kindes unterließ. Den Dokumenten lässt sich allerdings entnehmen, dass Frau Witt den leiblichen Vater des betroffenen Mädchens erst mit einem Schreiben vom 09.07.2019 davon unterrichtete, dass sie Kenntnis von den Tagebüchern habe.

Da waren schon acht Monate vergangenen, in denen sich Frau Witt nicht die Mühe machte, den Sachverhalt zureichend zu ermitteln. Dies wäre jedoch dringend nötig gewesen, denn das Oberlandesgericht in Bamberg hat in seinem Beschluss vom 02.05.2018 festgestellt, dass die Mutter „in nicht unerheblicher Weise Einfluss nahm auf die Angaben des Kindes“.

Aus dem Fehlverhalten der Frau Witt könnte man schließen, dass sich die ehemalige Sachbearbeiterin bewusst pflichtwidrig unwissend gehalten hat. Ihres staatlichen Schutzauftrags gemäß hätte Frau Witt die ihr vorliegenden, mehrfachen gewichtigen Anhaltspunkte für eine Kindeswohlgefährdung, zu einer zureichenden Sachverhaltsermittlung gemäß § 8a SGB VIII veranlassen müssen. Sie scheint aber, wenn überhaupt, nur einseitig ermittelt zu haben.

Eventuell muss sich Frau Alena Witt vorwerfen lassen, dass sie durch ihr Unterlassen die Situation für das Kind verschlimmerte. Aus den Tagebuchaufzeichnungen des Kindes entsteht nämlich der Eindruck, als habe sich die Mutter zunehmend in Sicherheit gewogen und wurde zunehmend gewalttätiger gegen das Kind.

Circa im September 2019 hat die Zuständigkeit gewechselt und anstelle von Frau Alena Witt ist nun eine andere Sachbearbeiterin für das von der Mutter geschlagene Kind aus Helmbrechts verantwortlich.

 

Bildnachweis: https://www.fak-sozpaed-ahornberg.de/2-auflage-des-jugendhilfetages/

Print Friendly, PDF & Email
Share:

Hinterlasse einen Kommentar