Diktatorisches Umgangsrecht zerstört den demokratischen Umgang miteinander

Wer mit der naiven Vorstellung in eine Verhandlung vor dem Familiengericht geht, dass dort um die Sache gerungen würde und man Argumente austauschte, der wird schnell ernüchtert und frustriert werden.

Logik, Vernunft, Fairness, Gerechtigkeit und andere aus einer gesunden und demokratischen Streitkultur herrührende Grundannahmen sind dort fehl am Platz. In Familiengerichten existieren sie nicht, weil diese nämlich das gegenteilige Ziel haben: Streit verhindern. Richter wollen den sozialen Frieden herstellen.

Genauer gesagt ersticken sie Streit, indem einer irrationalen Grundannahme folgend (d.h. die Mutter ist der bessere Elternteil) für Ruhe gesorgt wird, indem dem benachteiligtem Elternteil (mehrheitlich der Vater) vorgeworfen wird, er sei für den Streit verantwortlich. Dieser Vorwurf geschieht zwischen den Zeilen oder als Empfehlung an den Vater, man solle sich den Kindern zuliebe zurück ziehen.

Die sogenannten „hochstrittigen Trennungen“ sind genau deshalb so konfliktträchtig, weil mindestens eine Partei konfliktunfähig ist. Wer konfliktunfähig ist, ist nicht fähig, die Argumente und Bedürfnisse der Gegenpartei als gleichwertig zu erkennen.

Leider sorgen Familiengerichte bei Umgangsstreitigkeiten in den meisten Fällen nicht für die nötige Gleichheit, sondern nehmen einseitig Partei, typischerweise für die Mutter. Würden sie stattdessen Vater und Mutter ebenbürtig behandeln und per se den Kindern den Umgang mit den Eltern zu gleichen Teilen garantieren, wären die Bedürfnisse, Interessen, Hoffnungen, Gefühle, etc. aller Parteien gewahrt.

Die einseitige Parteinahme der Familiengerichte kann nur so erklärt werden, dass dies ein Muster der traditionellen Familie selbst ist: Wenn in der Familie Streit herrscht, dann ist im Zweifelsfall wichtiger, was die Mutter will. Ein guter Vater steht schließlich hinter der Mutter seiner Kinder, nicht wahr? „Tu, was Mama dir sagt!“, ist der für Väter einfachste Satz, um nicht Partei für die Kinder ergreifen zu müssen und es sich mit der Ehefrau nicht zu verscherzen.

Väter, die z.B. das Wechselmodell wollen und gegen den Willen der Mutter ihrer Kinder Partei für ihre Kinder ergreifen, widersprechen diesem Schema der traditionellen Familie.

Was wir heute im Streit um das Wechselmodell erleben, ist, dass überkommene familiäre Streitmuster sichtbar werden, in denen am Schluss immer eine gewann: Mutter – zumindest wenn es um die emotionale Ebene in der Familie ging.

Wären Familiengerichte tatsächlich der demokratischen deutschen Grundordnung verpflichtet, dann würden sie eine Streitkultur pflegen, die paritätisch ist und beiden Seiten gerecht wird. Dann würden Familiengerichte bis hin zum Bundesverfassungsgericht auch tatsächlich das paritätische Betreuungsmodell zum Leitbild der Rechtsprechung machen.

Die heutige Situation ist genau umgekehrt: Innerhalb eines demokratischen Gefüge favorisieren Gerichte innerhalb von Familien diktatorische Kommunikationsstrukturen und Verhaltensweisen. Man denke nur an den Umgangsboykott eines Elternteils gegenüber dem anderen, meist der Mütter gegen die Väter, in denen selbstherrlich die Kommunikation und der Kontakt zum Kind eingestellt werden.

Was für Bürger sollen aus solchen Kindern werden? Die Grundprinzipien des gesellschaftlich-demokratischen Umgangs werden durch das Erleben eines diktatorisch-familiären Umgangsrecht ins Absurde verkehrt. Demokratie bleibt so ein rein gesellschaftliches Konstrukt, das Kinder in der Familie nicht erleben und verinnerlichen.

Das ist gefährlich, denn wenn demokratische Regeln in der intimsten Form des menschlichen Zusammenlebens, nämlich der Familie, nicht zur Grunderfahrung gehört, dann ist die Demokratie als gesellschaftliches Konstrukt wenig wert und kaum in den Menschen verankert.

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