Claire Funke: „Kindererziehung ist Arbeit“

Deutschlandfunk Kultur hat am 12. Mai 2018 unter der Überschrift Vor dem Muttertag. „Kindererziehung ist Arbeit“ ein Interview mit der Bloggerin Claire Funke veröffentlicht.

Jedes fünfte Kind lebt in Deutschland über mehrere Jahre in Armut. Das hängt natürlich direkt mit der Situation der Eltern zusammen. Und die ist besonders prekär bei Alleinerziehenden. Das ist eine nicht so gute Nachricht. Ein Fakt, der so überhaupt nicht zum Heitatei-Sonnenschein-Muttertag morgen passen will.

heißt es da einleitend.

In einem kleinen Absatz alles Relevante auf einen Blick:

Alleinerziehend…Kinder…prekär…Armut.

Für einen Sehenden ist damit alles gesagt, der Weg klar aufgezeigt…oder?

Der öffentlich-rechtlich finanzierte Sender weist auf die Demonstration gegen Kinderarmut vor dem Reichstag hin, verlinkt zugleich aber auch die von Claire Funke initiierte Petition An: Familienministerin Franziska Giffey. Care-Arbeit ist Arbeit – Fürsorge-Gehalt jetzt! Einfach mal so und ganz nebenbei, ja geradezu unauffällig, macht der Deutschlandfunk Werbung für die Interessen der Alleinerziehenden…oder?

Claire Funke hat Gelegenheit über die Belastungen der Alleinerziehenden zu berichten und eine Vergütung für die Alleinerziehenden für eben diese Leistungen zu beanspruchen – Fürsorgegehalt nennt sie das.

Care-Arbeit ist Arbeit“…welch Wortakrobatik. Ja, Kinder machen Arbeit…aber sie geben dem Leben Sinn und Freude, mir jedenfalls!

Frau Funke räumt ein, daß sie selbst erhebliche Schwierigkeiten hatte und hat, ihre beiden Kinder im Alltag zu versorgen und daneben auch noch arbeiten zu gehen. Sie spricht davon, daß ihr die Kräfte schwinden, daß sie am Limit arbeitet.

Claire Funke, alleinerziehende Mutter von zwei Söhnen, hatte noch in der Februarausgabe 2006 der BRIGITTE unter der Überschrift Darum habe ich meine Kinder in eine Pflegefamilie gegeben offenbart, daß sie „irgendwann am Rande ihrer Kräfte“ war und sie deshalb beim Jugendamt angerufen hatte, „um ihre Kinder loszuwerden“. Dort versucht sie zu erklären, wie es soweit kommen konnte.

Aus den Berichten wird deutlich, daß Frau Funke nicht nur Probleme mit den Vätern ihrer Kinder hatte (hat), sondern auch, daß ihr Verhältnis zu ihrer eigenen Mutter sehr belastet war und ist, was doch ein gewisser Hinweis auf eine ungute Familientradition sein könnte.

Was mir im öffentlich-rechtlichen Rundfunk fehlt, ist, daß der Frage, warum es in Deutschland so sehr viele Alleinerziehende gibt, daß davon mit 90 % unproportional viel Mütter sind, wo denn die Väter bleiben und vor allem die Interessen der Kinder an gelebter Beziehung und Bindung auch zu den Vätern. Es fehlt die Auseinandersetzung mit der Frage, warum sehr viele dieser „Alleinerziehenden“ den anderen Elternteil wegen der (einseitig dargestellten) Beziehungsprobleme aus der gemeinsamen und gleich verantwortlichen Elternschaft gegenüber dem Kind ausgeschlossen haben.

Die Erfahrungen von Frau Funke werden quasi verallgemeinert. Das ist dann so, als ob ihre persönlichen Erfahrungen und Probleme für alle Partnerbeziehungen gelten müßten. Es findet eine – meines Erachtens – unzulässige Projektion und Verallgemeinerung statt, welche am Ende Väter diskriminiert.

Das Interview gerät so zu einem Plädoyer gegen die gleichberechtigte Elternschaft nach der Trennung der Eltern, gegen die echte paritätische Doppelresidenz, gegen die Initiative der FDP im Bundestag für das (unglücklich) so genannte „Wechselmodell“. Unglücklich nenne ich das wording deshalb, weil die Wechselmodellgegner die echte paritätische Doppelresidenz immer gleich – und ohne Not und ohne Rechtfertigung – mit „Zwang“ und „Gewalt“ in Verbindung bringen (framen) und so Stimmung gegen die gleichberechtigte Elternschaft machen.

Wenn man das (geschickte? oder bösartige? … mag dahingestellt bleiben) Propaganda (Definition siehe unten) gegen gleichberechtigte Elternschaft nennt, dann ist man auf der richtigen Spur.

Und nicht nur das: Die Rechte der Kinder auf freien und gleichberechtigten Zugang zu beiden Eltern, auf gesunde Identitätsentwicklung, geraten – einmal mehr – ins Hintertreffen. Väter, die nichts anderes wollen, als sich um (auch) ihre Kinder gleichberechtigt und auf Augenhöhe zusammen mit der Mutter kümmern möchten, werden zu Marginalien im Leben der Kinder.

Kinder sind Menschen…schon vergessen?

Die echte gleichberechtigte Elternschaft allein entspricht dem, was wir hier in diesem Lande so unter Gleichberechtigung und Demokratie verstehen. Es ist da nicht das Problem, ob man das ganze „Wechselmodell“, „echte paritätische Doppelresidenz“ oder „shared parenting“ nennt. Der Streit um die Begrifflichkeiten entlarvt sich so als das gesteuerte und gänzlich unerträgliche Gegeneinander-in-den-Krieg-führen der Geschlechter.

Ein erhellendes Wortspiel:

  • Ist geteilte Arbeit nicht halbe Arbeit…!?…und
  • Ist geteilte Freude nicht doppelte Freude…!?

Weiterführende Informationen finden Sie unter Doppelresidenz.org – Kindern zwei Zuhause geben.

„Propaganda“ – Definition der Bundeszentrale für politische Bildung:

Charakteristisch für Propaganda ist, daß sie die verschiedenen Seiten einer Thematik nicht darlegt und Meinung und Information vermischt. Wer Propaganda betreibt, möchte nicht diskutieren und mit Argumenten überzeugen, sondern mit allen Tricks die Emotionen und das Verhalten der Menschen beeinflussen, beispielsweise indem sie diese ängstigt, wütend macht oder ihnen Verheißungen ausspricht. Propaganda nimmt dem Menschen das Denken ab und gibt ihm stattdessen das Gefühl, mit der übernommenen Meinung richtig zu liegen.

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