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Fall Jessica Z.: GWG-Gutachter Lutz Wallisch erhielt 12.054€ trotz 7.000€ Kostengrenze

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Im Fall Jessica Z. drängt sich der Verdacht auf, dass die Kosten der mutmaßlichen Schlechtleistung des Gutachter Herrn Lutz Wallisch überhöht waren und trotzdem vom Gericht akzeptiert wurden. Herr Wallisch erhielt ohne weiteren Nachweis zusätzlich 5.054,46€ mehr, als vom Gericht als Obergrenze veranschlagt wurde, die der Staat wohl anstandslos bezahlte.

Im Freifam vorliegenden Beweisbeschluss der Amtsrichterin Sabine Thiermann vom 26.10.2017 im Verfahren 3 F 884/17, wird für das Gutachten des Herrn Lutz Wallisch eine Kostengrenze von 7.000€ festgelegt. In der ebenfalls Freifam vorliegenden Kostennote des Herrn Wallisch vom 25.06.2018 stellt dieser dem Amtsgericht Schwabach insgesamt überraschend 12.054,46€ in Rechnung, die nach unserer Kenntnis auch beglichen wurden – obwohl laut einer Fernseh-Reportage dieses Gutachten „für den Papierkorb“ sei (im Video ab Minute 19:15).

Die Mutter der begutachteten Familie, Jessica Z., schrieb mehrere Male das Amtsgericht Schwabach an und verlangte Auskunft über die Teuerung des Gutachtens um 58,33%. Weder erhielt sie vom Gericht noch vom Gutachter eine Begründung über die besonderen Umstände für die 5.054,46€, die das Gutachten über der Kostengrenze lag, noch erbrachte der Gutachter Lutz Wallisch jemals Nachweise für die in Rechnung gestellten Stunden, die er angeblich für Gespräche und Explorationen der Familie aufwandte.

Bei der familienpsychologischen Begutachtung in Kindschaftssachen hat der Sachverständige gemäß § 407 a Abs. 3 ZPO das Gericht zu informieren, wenn die voraussichtlichen Kosten außergewöhnlich hoch sind. Das wird man derzeit laut OLG Nürnberg bei Begutachtungen ohne Fahrtaufwendungen bei ca. 9.000,00 € inkl. MWSt. annehmen können. Mit analog 11.543€ liegt die von Herrn Wallisch eingeforderte Kostenübernahme mit rund 22% Aufschlag deutlich darüber – trotzdem informierte der Gutachter nach unseren Informationen das Gericht nicht und auch die Beteiligten wurden nicht informiert.

Die Mutter Jessica Z. musste vorab schon die Hälfte der Kostengrenze, nämlich 3.500€ selbst zahlen. Für die 3.500€ des Vaters kommt momentan noch der Staat aufgrund von Verfahrenskostenhilfe auf. Die 5.054,46€, die über der Kostengrenze liegen, trägt nach unseren bisherigen Informationen komplett die Staatskasse.

Herr Wallisch ist Organisatorischer Leiter einer Gutachter-Firma namens GWG, der vorgeworfen wird, Teil einer Gutachten-Mafia zu sein. Womöglich bestätigt sich in den Vorgängen am Amtsgericht Schwabach rund um Richterin Sabine Thiermann und Gutachter Lutz Wallisch die Befürchtung des Rechtstheoretiker und Wirtschaftsrechtler Professor Volker Boehme-Neßler von der Universität Oldenburg, dass die GWG von einer Kumpanei zwischen Richter und Gutachter profitieren könnte.

Wurden hier Steuergelder verschwendet, noch dazu für ein Falschgutachten? Wir werden weiter recherchieren.

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