Das Leid der Unterdrückung ausdrücken

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Der Krieg der Geschlechter kann nur aus einem Grund weiter geführt werden: Weil die eine Seite das Leid der Gegenseite nicht wahrnimmt. Das gilt für partnerschaftliche Beziehungen wie auch die Gesellschaft im Ganzen.

Das Problem ist: Diskriminierung führt zu und erwächst aus der Unfähigkeit sowie auch Unmöglichkeit, seine Verletzungen auszudrücken.

Diskriminierungen sind Traumata. Bei Traumata setzt der Körper einen opiatähnlichen Stoff frei, der einen erstarren lässt. Der eigene Körper stellt einen ruhig, damit man das Leid nicht spürt, während es einem angetan wird. Das führt dazu, dass man sich an den Vorgang wie auch die dabei erlebten Gefühle schlecht erinnern kann.

Jede Freiheitsbewegung ist im Grunde eine Entwicklung heraus aus dieser Starre der Traumata. Eine Gruppe unterdrückter Menschen beginnt, Worte für die Erniedrigungen zu finden.

In stark konflikthaften Partnerschaften zeigt sich der selbe Effekt: Die Partner stecken deshalb im Konflikt fest, weil zumindest einer sich nicht spürt, um seinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Dann stellt sich ein Gefühl der Ohnmacht ein und die Machtkämpfe beginnen, die in psychische wie physische Gewalt münden können.

Wieder der ähnliche Effekt bei Kindern in der Pubertät: Sie wollen sich von ihren Eltern befreien und suchen im Streit nach Worten, um sich selbst zu definieren und loszulösen.

Wird die Möglichkeit, sich seiner Gefühle gewahr zu werden und sie zu artikulieren, unterdrückt, dann diskriminiert man Menschen. Das erleben Frauen, die in der Ehe mit gefühlskalten Ehemännern zu tun haben; Väter die nach der Scheidung ihre Kinder wegen einer kaltherzigen Mutter verlieren; Jugendliche, die während der Loslösung keine Bindung erleben. Wir können diese Liste um Rassen oder Flüchtlinge oder sexuelle Orientierungen, etc. erweitern.

Immer geht es darum, dass Menschen psychisch oder physisch so unter Druck gesetzt werden, dass sie sich selbst nicht spüren, oder wenn sie damit beginnen, sich nicht Gehör verschaffen können.

Genau darum geht es in der Emanzipation: sich spüren, frei ausdrücken und damit angenommen werden.

Männer, die sich emanzipieren wollen, z.B. indem sie für die Gleichstellung von geschiedenen Vätern beim Umgang mit ihren Kinder eintreten, müssen (wie auch die Frauenbewegung), Worte für ihre Gefühle finden. Sie müssen lernen, ihre Verletzungen zu artikulieren. Wichtig ist, dass sie dies nicht wieder nur Frauen gegenüber tun (die die Rolle der Mutter übernehmen), sondern vor allem mit anderen Männern und Vätern in Kontakt treten und der Gesellschaft gegenüber ihre unwürdige Situation umfassend beschreiben.

Gleiches gilt auch in der Vater-Kind-Beziehung: Sie kann langfristig nur funktionieren, wenn Väter lernen, ihre Gefühle zu verstehen und auszudrücken, um sich so die Bindung zu den Kindern zu erhalten und sie auszubauen.

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