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Veränderungsprinzip statt Kontinuitätsprinzip

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Gerichte bemühen gerne das “Kontinuitätsprinzip” als Begründung, warum Kinder ihren Lebensmittelpunkt bei nur einem Elternteil (meist die Mutter) “beibehalten” sollten.

Es wird von den Gerichten “gerne in dem Sinne interpretiert, dass die Beständigkeit der Betreuung wie gehabt fortdauern solle, da Veränderungen durch Zuweisung von mehr Erziehungsverantwortung an den Vater das Kindeswohl gefährden würden.” (http://de.wikimannia.org/Kontinuit%C3%A4tsprinzip)

Es gibt nach wie vor Väter, die während der Ehe in der traditionellen Rollenverteilung waren: Der Mann arbeitet, die Frau bleibt zu Hause.

Das Kontinuitätsprinzip achtet das Grundbedürfnis der Kinder nicht (die Liebe zu beiden Eltern). Stattdessen orientiert es sich an der elterlichen Rollenverteilung. Darauf basierend sagen die Gerichte zum Vater: “Pech gehabt! So wie es vor der Trennung war, so bleibt es!”

Man stelle sich vor, welchen Aufschrei es gäbe, wenn Mütter, die bisher der Kinder zuliebe zu Hause geblieben waren, nach der Scheidung wieder in den Job zurück wollen und vom Gericht gesagt bekämen: “Sie dürfen nicht arbeiten, wegen des Kontinuitätsprinzips!”

Die Herausforderung von Trennungen ist die Veränderung. Ein wichtiger Grund für die Trennung war sicherlich auch, dass einer oder beide Partner nicht willens waren, sich zu verändern. Durch die Trennung, werden sie noch stärker in die Veränderung gezwungen.

Leider legen zu viele Gerichte nach wie vor Wert auf den sogenannten gesellschaftlichen Frieden und scheuen die Veränderung. Anstatt die Veränderung zuzulassen und damit jedes Familienmitglied in das persönliche Wachstum gehen zu lassen, soll der Zustand vor der Trennung konserviert werden.

Die Ironie ist, dass dieser zu konservierende Zustand (nämlich das Ende einer Ehe) in die Misere geführt hat. So halten Gerichte, die dem Kontinuitätsprinzip folgen, die Familie im Würgegriff des Konflikts, der durch die Trennung aufgebrochen werden sollte – von gesellschaftlichem Frieden keine Spur!

Es ist Zeit, dass man in Deutschland beginnt, Scheidungen als Chance zu persönlichem Wachstum zu begreifen. Das Kontinuitätsprinzip muss dem Veränderungsprinzip weichen: Alles, was dem Kind ermöglicht, sich innerhalb der neuen Familienstrukturen gesund zu entwickeln, ist gut. Veränderung ist per se nichts schlechtes, sondern ist Teil der psychischen Gesundung – was gerade nach dem traumatischen Erlebnis einer Scheidung für Kinder besonders wichtig ist.

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Autor

  • Sandro Groganz

    Ich habe Freifam gestartet, um mit meiner eigenen Situation als geschiedener Vater besser umgehen zu können. Was ich mir von der Seele schrieb, berührte andere Menschen mit ähnlichen Schicksalen. Da erkannte ich, dass Freifam das Potential zu einer neuartigen Bewegung für Familien hat. In diesem Sinne sehe ich mich als Familien-Aktivist.

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Bildquelle: Landtag von Baden-Württemberg

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