Manipulationsvorwürfe und die Angst vor sich selbst

Es gibt Jugendämter (deren Mitarbeiter hauptsächlich Frauen sind) und Eltern (tendenziell eher Mütter), die einem Elternteil (tendenziell eher Vätern) vorwerfen, sie würden ihre Kinder manipulieren. Dieser Vorwurf offenbart vieles über die Psyche der Personen, die die Vorwürfe formulieren.

Zunächst ist klar, dass jede Interaktion zwischen Menschen eine Manipulation ist. Ein Wort, ein Blick, eine Geste. Man kann nicht nicht kommunizieren und man kann nicht nicht manipulieren. Ohne Manipulation würde nichts geschehen.

Angst vor sich selbst

Warum jedoch die Manipulation als Vorwurf? Warum die negative Bewertung eines normalen Vorgangs?

Weil Menschen, die einem Manipulation vorwerfen, Angst vor sich selbst haben.

Menschen mit schwacher Identität fühlen sich manipuliert, wenn sie instinktiv merken, dass das Gegenüber einen durchschaut. Das Gegenüber ist in einem Lebensbereich intelligenter, erfahrener, bewusster. Anstatt dies als Bereicherung für das eigene Leben in einem bestimmten Bereich zu erleben, wird es als Bedrohung für das gesamte Leben erlebt. Anstatt die höhere Reife des anderen Menschen als eigenes Lernpotential zu verstehen, wird sie als Gefahr für den eigenen Ist-Zustand angesehen.

Menschen, die nicht dazu lernen und sich nicht verändern wollen, fühlen sich von denen, die schon einen oder mehrere Schritte weiter sind, bedroht.

Woher kommt das?

Symbiose oder Grenzen

Es hat vor allem mit der kindlichen Beziehung zum eigenen Vater zu tun. Während Mütter in Deutschland eher eine symbiotische Verschmelzung mit dem Kind anstreben, ziehen Väter eher Grenzen und stärken die Individualität des Kindes. Wer Grenzen zieht, lässt das Kind auch auf sich selbst zurück fallen und es lernt zu reflektieren.

Schwimmkurs und Integrität

Ein Beispiel aus meinem Leben mit unseren Kindern:

Unsere fünfjährigen Zwillinge nahmen an einem Schwimmkurs teil. Eines Tages wollten sie nicht mehr hin gehen. Ich fragte beide: „Bitte sagt mir jetzt klipp und klar, ob ihr zukünftig gehen wollt oder nicht? Für mich ist ein Ja und auch ein Nein völlig in Ordnung. Wir machen es, wie ihr es wollt.“. Beide antworteten zögerlich mit „Ja“. Ich fragte nochmals nach und sagte, dass dies jetzt die endgültige Entscheidung sei und wir uns alle daran hielten. Sie bekräftigten ihr „Ja“ mit starker Stimme.

Im Freibad angekommen wollte einer der Zwillinge dann trotzdem nicht. Ich sagte ihm: „Du hast entschieden und ich verlasse mich darauf. Wenn du jetzt nicht willst, musst du das mit dir selber ausmachen. Du nimmst aber auf jeden Fall am Schwimmkurs teil, wie du es versprochen hast. Sonst belügst du nur dich selbst.“

Unser Sohn schaute mich mit großen Augen an, hörte auf zu weinen, lauschte still in sich hinein, nahm am Schwimmkurs teil und war am Ende des Schwimmkurs stolz darauf, dass er teil genommen hat und kam lächelnd auf mich zu.

Habe ich ihn manipuliert? Natürlich! Ich habe ihn dahingehend manipuliert, dass ich von ihm eine freie willentliche Entscheidung einforderte. Hätte er „Nein“ gesagt, wäre ich auch einverstanden gewesen. Er sagte jedoch „Ja“. Also manipulierte ich ihn weiterhin und nahm ihn beim Wort. Ich zeigte ihm, was Integrität bedeutet, nämlich sich selbst treu zu bleiben. Das war wieder eine Manipulation. Er war bisher nicht klar und deutlich damit konfrontiert, zu seinem Wort zu stehen und eigenverantwortlich damit umzugehen.

Die hier beschriebene Grenzziehung mit dem Ziel, unseren Sohn dahingehend zu manipulieren, damit er spürt, was es heißt, frei zu entscheiden und zu seinem Wort zu stehen, ist für Menschen beängstigend, deren Vater in ihrer Kindheit kaum eine Rolle spielte. Meine Grenzziehung unserem Sohn gegenüber hat ihn auf sich selbst zurück geworfen. Er war gezwungen, sein Verhalten zu reflektieren. Er musste sich mit sich selbst auseinandersetzen. Er musste verantwortlich sein. Er musste aus sich heraus treten und sich von außen betrachten.

Manipulation vs. Integrität

Werfen Menschen einem anderen Manipulation vor, dann akzeptieren sie nicht die Grenzziehung. Sie haben Angst, auf sich selbst zurück geworfen zu werden und ihr Verhalten reflektieren zu müssen. Sie haben Angst vor einem Menschen, der einen höheren Reifegrad als sie hat und von dem sie etwas lernen könnten, nämlich Integrität.

Anders ausgedrückt: Je heftiger jemand den Vorwurf der Manipulation macht, umso niedriger ist dessen Integrität. Umso schlechter kann dieser Mensch aus sich selbst heraus treten, klare Grenzen akzeptieren, Kritik von anderen aufnehmen, etwas für sich selbst lernen.

Starke Mutter, schwacher Vater

Dass der Manipulations-Vorwurf hauptsächlich von Frauen an Väter gerichtet wird, sollte nun nicht mehr verwunderlich sein: Familien wurden traditionell von Müttern dominiert, die ihren Kindern kein gutes Vorbild waren, wenn es um das Ziehen von Grenzen geht. Die Töchter dieser Mütter identifizierten sich später bei Geburt des ersten eigenen Kindes mit der Rolle ihrer Mutter und strebten die selbe grenzenlose Verschmelzung mit dem eigenen Kind an.

Das Bedürfnis nach Verschmelzung kommt aus der schwachen Identität. Wer nie gelernt hat, auf gesunde Art und Weise grenzen zu ziehen, weil der Vater ausgegrenzt wurde, dessen Lebensenergie wird von der eigenen Mutter ausgesaugt. Also muss sie – wie bei der eigenen Mutter – mit der Lebensenergie der eigenen Kinder ersetzt werden.

Kommt nun ein Vater ins Spiel, der sich nicht ausgrenzen lässt und sich für die eigenständige Beziehung zu seinen Kindern einsetzt, dann wird sich die Mutter seiner Kinder bedroht fühlen und ihm Manipulation vorwerfen. Würde die Mutter das aus dem Konflikt mit dem Vater erwachsende Lernpotential annehmen, dann würde sie ihr selbstbezogenes und bei manchen Müttern süchtiges Verhalten erkennen. Sie tut es jedoch nicht, weil sie eine schwache Identität und niedrige Integrität hat.

Die Gefahr zu ertrinken

Frauen beim Jugendamt oder Mütter, die einem Manipulation vorwerfen, haben im übertragenen Sinn nicht genügend gelernt, eigenständig zu schwimmen. Sie konnten sich davor drücken, wurden nicht nach ihrem freien Willen gefragt und mussten nicht Wort halten. Ihre Mutter wollte, dass sie immer nur mit Schwimmflügeln ins Wasser gehen und Angst vor dem Wasser haben, damit sie immer die Hilfe und den Schutz von Mama benötigen – denn Mama hatte Angst, mit sich selbst alleine zu sein und brauchte die Kinder um sich herum.

Selbst-Manipulation

Wer dem anderen Elternteil Manipulation vorwirft, hat Angst davor, mit sich selbst alleine zu sehen und zu erkennen, wie man sich selbst belogen und manipuliert hat und dabei seine Integrität verlor.

Väter, die ihren Kindern einen starken und freien Willen beibringen, sowie die daraus folgende Konsequenz (also insgesamt Integrität), wird mit Manipulation das vorgeworfen, was vor allem Frauen beim Jugendamt und Mütter selbst tun, um die Kinder unfrei an die Mutter zu binden. Das selbe Spiel verbirgt sich hinter dem Vorwurf, ein Vater sei bindungsintolerant – wenn er in Wahrheit lediglich die Integrität des eigenen Kind gestärkt hat.

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