Von Politik verstehst Du nichts

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Von Politik verstehst Du nichts…

… ein Satz, den ich schon des Öfteren gehört habe…

… ich denke: Ja das ist so, ich verstehe das wirklich nicht. Ich verstehe nicht, was so in „der Politik“ läuft. Ich verstehe nicht, warum ich mich von „der Politik“, von den Menschen, die mir so alle vier Jahre neu von Laternenmasten entgegenlächeln, die mir so alle vier Jahre neu aus Werbesports im Fernsehen, aus dem Radio, aus der Zeitung, aus allen Kanälen heraus, die heute so zur Verfügung stehen, Versprechungen machen, nicht gehört, nicht vertreten fühle …

Von Politik verstehst Du nichts…

… ist das wirklich so? Oder verstehe ich viel zu viel?

In den vier Jahren dazwischen, ist es vergleichsweise still, manchmal unheimlich still um die Versprechungen aus den Zeitungen, von den Plakaten, …

Ohne Plakate stehen sie einfach nur so rum, die Laternenmaste… sie versprechen nicht mehr, sie lügen nicht mehr!

Ist mir im Licht der vereinsamten Laternenmaste nicht längst klar geworden, daß das, was einem so als Politik präsentiert wird, nichts anderes ist, als die unwürdige Veralberung der Menschen … ausgerechnet durch die Menschen, die das einfache Volk so in die Parlamente berufen hat, als Vertreter ihres Willens gewählt haben?

Sind diese Menschen, denen wir so als unseren Volksvertretern vertrauen, wirklich vertrauenswürdig? Sind sie würdig, unser Vertrauen zu genießen? Sind sie fähig, sind sie Willens, sind sie überhaupt kompetent, uns zu repräsentieren. Und, sind sie dabei ausreichend durchsetzungsstark, das zur vertreten, für das WIR sie gewählt haben?

Wenn ich mich dann mal so in das Paul-Löbe-Haus verlaufen hatte, in das Zentrum der Macht, wenn ich die vielen grauen Herren und Frauen so ein- und ausgehen sah, ja, da beschlich mich so ein mulmiges Gefühl…

Aber klar: Von Politik verstehst Du nichts…

Nun war es, wie ich lese, Andrea Nahles höchst persönlich, welche sich in 2015 eine solide Faktengrundlage für den damals in Vorbereitung befindlichen 5. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung wünschte, in dem auch der politische Einfluß der Vermögenden wissenschaftlich untersucht werden sollte.

Je höher das Einkommen, desto stärker stimmen politische Entscheidungen mit der Meinung der Befragten überein. (…) Was Bürger mit geringem Einkommen in besonders großer Zahl wollen, hatte in den Jahren von 1998 bis 2013 eine besonders niedrige Wahrscheinlichkeit, umgesetzt zu werden.

Mehr noch: Eine politische Regelung wurde nicht nur umso eher von der Regierung umgesetzt, je mehr Reiche sie unterstützten. Das hatte man ja fast schon erwartet. Nein, ein Vorschlag wurde von der Regierung auch umso eher abgelehnt, je mehr Arme dafür waren! Die Forscher sprechen hier von einem »negativen Zusammenhang«. Sie schreiben wörtlich, dass »die Wahrscheinlichkeit auf Umsetzung sogar sinkt, wenn mehr Menschen aus der untersten Einkommensgruppe eine bestimmte politische Entscheidung befürworten.«

Das bedeutet, dass die Regierung die Armen nicht einfach nur ignoriert, sondern praktisch aktiv gegen sie arbeitet.

(Zitate aus Paul Schreyer: Die Angst der Eliten: Wer fürchtet die Demokratie?)

Ja, von Politik versteh´ ich nichts…

Und dann doch noch eine Nachfrage zu einer jüngsten Begebenheit im Rechtsausschuss des Landtages des Landes Sachsen-Anhalt:

Betreff:

Die seelische Hinrichtung eines Kindes!“

causa „Ronja, HELBRA“, Vorfall am 5. März 2018 in der Grundschule Helbra

FAKT IST! | 23.04.2018 | 22:05 Uhr Getrennt leben, gemeinsam erziehen – Das Recht aufs Kind

Da drückt der Fernsehgast, Herr Psychologe Dr. Stefan Rücker, das Empfinden des Normalbürgers punktgenau aus: „Die seelische Hinrichtung eines Kindes!“:

Das, was ich gerade gesehen habe, ist ´ne Sequenz von Traumaqualität. Das habe ich noch nie erlebt. Das ist die seelische Hinrichtung eines Kindes. Man konnte sehen: Das Kind wehrt sich, hat nach seinem Vater gerufen. Das ist wahnsinnig grell. Das habe ich persönlich nicht erlebt. Das kenne ich aber natürlich aus Schilderungen und Erzählungen von Eltern, die ich berate.

Frau Eva von Angern, DIE LINKE, stellvertretende Vorsitzende des Rechtsausschusses des Landtages Sachsen-Anhalt, erklärt sich auf die Frage der Moderatorin, ob sie wisse, wie es Ronja gehe:

Also, wir wissen es nicht. Aber ich bin jetzt dankbar, im Ausschuß ist es ganz klar gesagt worden, das Kind ist nicht traumatisiert. Auch die Kinder, die nicht festgehalten worden sind nicht traumatisiert. Spannend war im Ausschuß, daß ein Polizist traumatisiert ist. Also, das paßt nicht zusammen.

Herr Wolfgang Keuter, Familienrichter, geht mit keinem Wort auf das Leid des Kindes ein! Um so wichtiger ist es ihm, zu unterstreichen, das Video und die Veröffentlichung sei das Problem. Da spricht er von Elternverantwortung, der der Vater (wer sonst?) nicht nachgekommen sei.

Ich, als politischer Idiot, vermisse ein paar fachkundige Worte zu der Verantwortung der Justiz, des beteiligten Jugendamtes, der vom Familienrichter als Vertreterin der Kindesinteressen eingesetzten Verfahrensbeiständin, § 158 FamFG. Auch zu der Verantwortung der vom Familienrichter eingesetzten Gutachterin verliert der vom Fernsehen als Familienrichterkompetenz eingeladene Richter kein Wort …

Später höre ich von einem Abgeordneten aus dem zuständigen Ausschuß, daß es der Vizepräsident des mit der Sache befaßten Oberlandesgerichts Naumburg, Herr Richter Michael Braun gewesen sein soll, der im Rechtsausschuß des Landtages die von Frau von Angern berichtete „Weisheit“ verkündet haben soll, weder Ronja, noch die anderen Kinder seien traumatisiert! … aber der Polizeibeamte …

Eigentlich ganz lustig… reif fürs Kabarett!? Indes, ich vergaß …

von Politik verstehst Du nichts…

Und doch frage ich mich so als psychologischer Laie und politischer Versager, wie es sein kann, daß ein mit der causa befaßter Oberrichter solches im Rechtsausschuß verkünden kann …

aber nein: Von Politik verstehst Du nichts…

Übrigens, zur Klarstellung: Das Bild ist eher zufällig entstanden, beim Spaziergang durch die Stadt. Es macht keinen Unterschied, welche Partei, welcher Parteivertreter dort abgebildet ist. Mich hat es nur von der Präsentationen her gelockt, ich fühlte mich provoziert, habe überlegt, welche Botschaft Herr Doktor Diaby der Bevölkerung der Stadt Halle, dem einfachen Volk, überbringen möchte. Diese Botschaft unterscheidet sich wohl kaum von den Botschaften anderer Parteivertreter.

Nun, das ist ein weites Feld, da mag sich so jeder eigene Gedanken machen…

… „Nein, gewiß nicht; jedenfalls wollen wir darüber nicht streiten; es ist ein weites Feld. Und dann sind auch die Menschen so verschieden.“

(Theodor Fontane in „Effie Briest“ (1894/95))

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4 comments

  1. Herbert Steinhaus 18 Mai, 2018 at 04:43 Antworten

    Hallo zusammen,
    Herr Dr. Karamba Diaby hat mich aufgefordert, mein Foto, welches ich von seinem Bürgerbüro gefertigt und im Post verwendet habe, zu löschen. Er meint,
    • eine logische Verbindung zu den geschilderten Vorgängen sei trotz der sehr freien Assoziationsketten schlichtweg nicht möglich.
    • er trage keineswegs „persönlich“ Verantwortung für eine „Causa“, die seine politische Arbeit nicht berühre und von der er nur aus den Medien erfahren habe.
    • Mit Bezug auf mit ihm persönlich geführten früheren Schriftverkehr zur Politik der SPD im Zusammenhang mit Kinderrechten, Formen des familiären Zu-sammenlebens, Fragen des Sorgerechts und dem staatlichen Wächteramt, sprich gleichberechtigter Elternschaft, meint er, er werde mir gegenüber die Arbeit von Jugendämtern und Gerichten nicht bewerten und beurteilen.
    • Für ihn entscheidend für jede Form der Umgangsregelung sei und bleibe das Kindeswohl. Daher stehe die SPD-Bundestagsfraktion auch im Fall der zuletzt im April im Bundestag auf Antrag der FDP debattierten Normierung des so ge-nannten Wechselmodells als Regelfall weiterhin auf dem Standpunkt, dass dieser Vorschlag zu wenig flexibel sei beziehungsweise den jeweiligen Einzel-fall zu wenig berücksichtige.
    • Stattdessen stehe die SPD-Bundestagsfraktion für die Schaffung einer Rechts-grundlage im BGB, auf deren Basis das paritätische Wechselmodell oder ein anderer im Wechsel stattfindender Umgang mit anderer Aufteilung nach ein-gehender Einzelfallprüfung und im Sinne des Kindeswohls angeordnet werden könne.
    Nun denke ich mit Blick auf die Problematik einerseits und die Meinungsfreiheit an-dererseits darüber nach, ob ich dem Verlangen entsprechen soll oder gar muß.
    Ich erbitte dazu Ihre / Eure persönliche Meinung. Das ist mir wichtig.
    Persönliche Nachrichten bitte an Herbert.Steinhaus@web.de mit dem Betreff „Dr. Karamba Diaby – Bürgerbüro“.
    Danke!
    Mit freundlichen Grüßen, Herbert Steinhaus

  2. Herbert Steinhaus 22 Mai, 2018 at 09:19 Antworten

    Meine heutige Antwort an Herrn Dr. Karamba Diaby, SPD, Bundestag:

    Causa „Ronja, HELBRA“ . Die seelische Hinrichtung eines Kindes
    Ihre eMail vom 17. Mai 2018, 12:16

    Herrn
    Dr. Karamba Diaby
    Große Steinstraße 58

    06108 Halle (Saale)

    Sehr geehrter Herr Dr. Diaby,
    Sie möchten, daß ich auf die Verwendung meines Bildes von Ihrem Bürgerbüro verzichte. Dazu sehe ich keinen Anlaß.
    Heute habe ich in Ihrem Bürgerbüro um ein persönliches Gespräch gebeten. Ich hoffe, daß Sie bald dazu Zeit für mich haben.
    In der Hoffnung auf Ihr Verständnis möchte ich das gerne begründen:
    Ich verstehe, daß Sie sich durch mein Bild Ihres Bürgerbüros gekränkt und mit Problemen und Fragen belastet fühlen, mit denen Sie nichts zu tun haben möchten.
    Indes sind Sie ein von den Menschen in die höchste deutsche Volksvertretung als deren Sprachrohr, deren Willensvertreter gewählt worden. Sie sind stolz darauf, als erster in Afrika geborener Schwarze Mensch in den Deutschen Bundestag gewählt worden zu sein. Da berichten Sie, daß Sie als Waisenkind bereits früh erfahren durften, wie wichtig der Zusammenhalt und ein solidarisches Miteinander sind. Sie empfinden Dankbarkeit für eine der verantwortungsvollsten Aufgaben, die eine Demokratie überhaupt zu vergeben hat.
    In der 18. Legislatur (2013-2017) waren Sie stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für Menschenrechte und humanitäre Hilfe sowie Mitglied im Ausschuß für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung, waren Leiter des Zukunfts-projekts der SPD-Bundestagsfraktion #NeuesMiteinander, entwickelten dort Ideen für den sozialen Zusammenhalt in Deutschland, waren Mitglied der Perspektiv-Arbeitsgruppe „Recht, Demokratie und Teilhabe“ der Bundes-SPD und damit an der Entwicklung des Regierungsprogramms beteiligt. Sie berichten, daß Sie sich voll und ganz auf die Chancengerechtigkeit im Bildungsbereich konzentrieren können.
    Sie sind Vater von zwei Kindern
    Ziemlich genau ein Jahr nach Ihrer ersten Sitzung im Deutschen Bundestag haben Sie in Halle Ihr Bürgerbüro eröffnet.
    An anderer Stelle sagen Sie: „Der Erfolg der Rechtspopulisten ist ein Warnschuß für die Demokratie und ist bitter. Die Demokratie muß sich auf schwierige Zeiten ein-stellen. Für die SPD gilt: Wir müssen umdenken und umsteuern, indem wir neue Zugänge zu den Menschen schaffen. Mein Kampf als Bundestagsabgeordneter für eine offene und solidarische Gesellschaft geht #Jetzterstrecht weiter. #SozialGerechtKaramba“
    http://www.karamba-diaby.de/content/danke-grossartige-unterstuetzung
    Sie preisen sich als Vertreter des Volkes im Sinne einer offenen und sozial gerech-ten Gesellschaft.
    http://www.karamba-diaby.de/aktuelles/halle
    Wenn auch in anderem Zusammenhang titeln Sie „Die Hilfe muss auch dort an-kommen, wo sie benötigt wird“
    http://www.karamba-diaby.de/content/tag-pflege-12-mai-hilfe-ankommen-benoetigt
    Sie bewerben Ihre Fähigkeiten als Politiker im Bundestag selbst mit Bildern von Ihrem Bürgerbüro und entsprechenden Versprechungen an die Wähler.
    http://www.karamba-diaby.de/aktuelles/halle
    Sie werben mit Ihren Themen „Gute Bildung“ als „wichtig für soziale Teilhabe“, gleichen Chancen für Kinder auf eine gute Bildung, egal, ob ihre Eltern Arbeiterin-nen und Arbeiter oder Akademikerinnen und Akademiker sind, egal, ob sie im Osten oder Westen dieses Landes aufgewachsen sind. „Gute Arbeit“, sozialer Gerechtig-keit – Lohndiskriminierung zwischen Frauen und Männern müsse beendet werden. Die „Lebensleistung von Menschen“ müsse „honoriert werden“. Sie setzen sich „für die Einführung der solidarischen Lebensleistungsrente ein. Denn wer sein ganzes Leben hart gearbeitet hat, der muß eine Rente erhalten, die mehr bietet als nur das reine Existenzminimum.“ Unter „Guter Zusammenhalt“ formulieren Sie „Unsere Gesellschaft braucht mehr Zusammenhalt statt Spaltung. Mit Geschlossenheit und klarer Haltung müssen wir unsere Demokratie verteidigen.“, sprechen von sozialem Zusammenhalt in unserer Gesellschaft der auch für die nächsten Generationen zu sichern sei.
    Sie leben seit Jahren in Halle. Im Wahlkampf und in Ihrem Schaufenster präsentie-ren Sie sich als bürgernah, laden die Menschen zu gemeinsamen Gesprächen über ihre tatsächlichen Probleme ein, versprechen, diese Menschen dort abzuholen, wo sie sind, versprechen, sich für sie einzusetzen.
    Nun, Herr Dr. Diaby, ich nehme Sie beim Wort. Nichts anderes wollte ich mit der Verwendung des von mir gefertigten Büros auf dem Post zum Ausdruck bringen.
    Wenn Sie meinen, eine logische Verbindung zu den geschilderten Vorgängen sei trotz der sehr freien Assoziationsketten sei schlichtweg nicht möglich, Sie würden keineswegs „persönlich“ Verantwortung für eine „Causa“ tragen, die Ihre politische Arbeit nicht berühren würde, so sehe ich das anders. Diese Ihre Bemerkungen passen nicht zu dem Bild, das Sie im Schaufenster präsentieren.
    Als Volksvertreter sind Sie immer und für alles persönlich in der Verantwortung, das da so im Bundestag geschieht und eben auch für das, was nicht geschieht. Ihre Partei, die Sozialdemokratische Partei Deutschlands, führt seit Jahren das Bundes-ministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, welches Frau Manuela Schwesig bezeichnenderweise selbst in „Frauenministerium“ umbenannt und sie sich selbst als „Frauenministerin“ bezeichnet hat. Mit Erstaunen mußte ich bei ei-nem Besuch das großformatige Selbstzeugnis der Frauenministerin in der Glinka-straße sehen, ich konnte es nicht fassen.
    Es wird viel geredet von Gleichstellung von Frauen und Männern. Und doch geht es bei Licht besehen immer nur um die Besserstellung von Frauen gegenüber Män-nern. Es schwadroniert alles um den überdimensioniert, sachlich und tatsächlich falsch dargestellten gender-pay-gap. Wenn es um Angriffe auf Frauen auf der Köl-ner Domplatte geht, ja dann ist es möglich, innerhalb eines halben Jahres Gesetze zu verschärfen (gegen Männer).
    Wenn es in des um ein kleines achtjähriges Mädchen geht, das von der Staats-macht in Form eines Obergerichtsvollziehers, zwei Polizeibeamten, zwei Mitarbei-tern eines Jugendamtes geht, wenn sich dahinter aktiv Familiengerichte, Oberrich-ter – Richter Michael Braun vom Oberlandesgericht Naumburg – und ein Amtsge-richtsdirektor – Herr Lutz vom Amtsgericht Eisleben – verbergen und ganz offiziell, nicht nur über die Medien, sondern (weit über ihre juristische Qualifikation hinaus) als fachkompetent in Kinderpsychologie, Psychologie allgemein, präsentieren, ja dann schweigen die Ministerien und Politiker, ziehen sich auf andere Aufgaben zurück, die sie sicherlich auch zu erfüllen haben, ja, die bestimmt sehr viel ihrer Zeit und Kompetenz in Anspruch nehmen.
    Und doch: Ich widerspreche Ihnen, bin der Meinung, daß Sie nicht nur als Lokalpoli-tiker, sondern erst recht als gewählter Vertreter des Volks im Reichstag „persönlich“ Verantwortung tragen für die causa „Ronja, HELBRA“. Wenn Sie meinen, dieses von der Staatsmacht gefolterte Kind … vgl. nur Stefan Rücker: „Die seelische Hinrich-tung eines Kindes!“ … würde Ihre politische Arbeit nicht berühren, dann erinnere ich an Ihre Wahlversprechen und die Versprechen in den großflächigen Schaufenstern Ihres Bürgerbüros.
    Ja, Sie haben freundlicherweise auf meine Eingaben geantwortet. Dafür danke ich Ihnen schon deshalb, weil so viele andere der verantwortlichen Politiker geschwie-gen haben, ein in meinen Augen sehr beredetes, selbstentlarvendes Schweigen.
    Sie sagen, für Sie entscheidend für jede Form der Umgangsregelung sei und bleibe das Kindeswohl. Ja, das liebe Kindeswohl. Es ist ein unbestimmter Rechtsbegriff, kommt in verschiedenen Bestimmungen vor (z.B. § 1626a BGB, § 1627 BGB, § 1629 BGB, § 1684 BGB, § 1697a fabuliert vom Kindeswohlprinzip …). Der Ge-setzgeber, dessen Vertreter Sie einer sind, hat es versäumt, den Begriff zu definie-ren. Und so macht ein jeder daraus, was er so denkt … und da ist der Willkür Tür und Tor geöffnet.
    In meinen Augen ist die Mindestanforderung an „Kindeswohl“, daß den Kindern, allen Kindern, ihre Natur-, Menschen- und Grundrechte gesichert sind. Vergessen wird bei allem zu gerne:
    Kinder sind Menschen, besonders hilfsbedürftige und gefährdete Menschen!
    Kinder haben zwei Engel, den einen nennt man Mama, den anderen Papa. Und beide Engel sind für das Kind gleich wichtig. Beide bracht es gleichermaßen für seine psychosozial gesunde Entwicklung. Das nennt man gerne auch Triangulie-rung.
    Kinder haben Rechte. Zu deren Einhaltung und Wahrung sind in erster Linie ihre Eltern – Mutter und Vater – berufen. Nur dann, wenn sie dazu nicht in der Lage sind, sind das Jugendamt wie alle anderen öffentlichen und freien Träger der Ju-gendhilfe sowie die Familiengerichte verpflichtet,
    „Kinder und Jugendliche vor Gefahren für ihr Wohl schützen“, § 1 SGB VIII.
    Die Menschen- und Grundrechte regeln verbindlich und unantastbar, daß ein Kind Anspruch auf Fürsorge und Förderung durch beide Eltern hat! Dieses Recht des Kindes kann und darf bestenfalls dann beschnitten werden, wenn nachgewiesen ist, daß ein oder beide Eltern es schädigen!
    Die Behörden und Gerichte haben den absoluten Vorrang der Eltern zu gewährlei-sten.
    Das Grundrecht des Kindes auf Betreuung und Erziehung durch seine natürlichen Eltern ist zugleich deren Grundpflicht gegenüber dem Kind.
    Die Grundrechte begründen als Freiheitsrechte in erster Linie Abwehrrechte des Grundrechtsberechtigten gegen den Staat, die den Staat zur Nichtverletzung ver-pflichten. Sie werden durch staatliches Unterlassen erfüllt.
    Menschen- und Grundrechte finden Sie u.a. in:
    • Allgemeine Erklärung der Menschenrechte – Resolution 217 A (III) der Verein-ten Nationen vom 10. Dezember 1948
    http://www.un.org/depts/german/menschenrechte/aemr.pdf
    • UN-Kinderrechtskonvention vom 20. November 1989
    https://www.kinderrechte.de/kinderrechte/un-kinderrechtskonvention-im-wortlaut/
    • Europäische Menschenrechtskonvention vom 04. November 1950 in der Fas-sung vom 13. Mai 2004
    • Resolution 2079 des Europarates
    • Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland
    Art. 1 Die Würde des Menschen ist unantastbar …
    Art. 2 Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich.
    Art. 3 Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich. Männer und Frauen sind gleichbe-rechtigt.
    Art. 6 Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung. Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvör-derst ihnen obliegende Pflicht. Gegen den Willen der Erziehungsberechtigten dürfen Kinder nur auf Grund eines Gesetzes von der Familie getrennt werden, …
    „Die Verpflichtung des Staates, das Wächteramt nach Art. 6 Abs. 2 S. 1 GG wahr-zunehmen, ergibt sich in erster Linie daraus, dass das Kind als Grundrechtsträger selbst Anspruch auf den Schutz des Staates hat.“ (BVerfG Bd. 24, 144, NJW 1982, 1379 ff)
    Ich akzeptiere, daß Sie zu dem Antrag der FDP, das Wechselmodell als Regelfall zu normieren, den Standpunkt der SPD-Bundestagsfraktion vertreten, daß dieser Vorschlag zu wenig flexibel sei beziehungsweise den jeweiligen Einzelfall zu wenig berücksichtige. Indes sehe ich, daß diese Auffassung allein interessegeleitet und längst überholten Doktrinen folgt.
    Den Begriff „Wechselmodell“ in diesem Antrag finde ich unpassend. Unpassend auch deshalb, weil ihn die Wechselmodellgegner, zu denen auch SPD laut Verlaut-barung gehört, diesen Begriff unzulässigerweise mit Zwang verbinden.
    Richtigerweise müßte der Antrag nur mit der Gleichberechtigung der Menschen und Gleichstellung beider Eltern begründet werden und mit dem Recht der Kinder auf freien und unbeeinflußten Zugang zu beiden Eltern.
    Allein die Natur-, Menschen- und Grundrechte gebieten die echte paritätische Dop-pelresidenz für alle Fälle, in denen sich Eltern trennen. Aus ihrer höchst persönli-chen Verantwortung den Kindern gegenüber können sich Eltern niemals verab-schieden. Und wenn sie das tun, dann nehmen Sie den Kindern Menschen- und Grundrechte.
    Das sogenannte Residenzmodell ist entgegen weit verbreiteten Glaubenssätzen nirgends normiert. Es handelt sich um eine Halluzination derjenigen, die Kinder aus dem Blick verloren haben, die Kinder nur noch als Rechtsobjekt behandeln, wie man einen Sack Kartoffeln behandelt.
    Kinder sind Menschen. Kinder sind Rechtssubjekte!
    Die Eltern, die ihre Kinder als Menschen mit eigenen Rechten sehen und ihr Menschsein verstehen, akzeptieren und fördern, diese Eltern werden im besten Einvernehmen immer eine Lösung finden, die den Bedürfnissen und Interessen der Kinder Rechnung trägt. Da spielt der Regelfall keine Rolle.
    Die echte paritätische Doppelresidenz brauchen wir für die Eltern, die bei allem Elternstreit die Kinder aus dem Blick verloren haben. Und damit dies nicht ge-schieht, ist es zwingend erforderlich, von Gesetzes wegen sicherzustellen, daß sie immer, jedenfalls in einer Trennungssituation, freien und unbehinderten Zu- und Umgang mit beiden Eltern haben.
    Langer Rede kurzer Sinn:
    Ich sehe Sie durchaus in Ihrer persönlichen Verantwortung für unsere Kinder. Ich sehe Sie in der Verantwortung, für die Sicherung der Rechte der Kinder einzutreten. In diesem Zusammenhang halte ich es auch für Ihre persönliche Aufgabe, der nun schon über zwei Monate andauernden Hinrichtung der kleinen Ronja Einhalt zu gebieten. Da informiere ich Sie, daß Ronja ihren Vater, bei dem Sie von Geburt an gelebt und der sie bis zum März die letzten zwei Jahre allein versorgt hat, seit zwei Monaten nur zweimal im begleiteten Umgang sehen durfte, immer nur unter den Augen der Kindesmutter und von Vertretern des Jugendamtes. Mutter, Jugendamt und Justiz verhindern, daß das Kind kompetent und neutral medizinisch, psycholo-gisch versorgt wird. Dem Vater wird untersagt, Ronja zu der psychologischen Fach-kraft zu bringen, die sie schon lange Zeit kennt!
    Ich sehe keine Veranlassung, das Foto zu löschen. Ich hatte schon gesagt, daß es nur zufällig entstanden ist und es keinen persönlichen Bezug zu Ihrer Person hat. Es ist halt nur ein Beispiel für öffentliche Werbeversprechen von Politikern des Reichstages in großformatigen Schaufenstern.

    Mit freundlichen Grüßen

    (Herbert Steinhaus)
    einfach nur Mensch-SEIN

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