Fall Jessica Z.: Erpresst das Jugendamt die Mutter mit ihren Kindern zur Selbstzensur?

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Uns liegt ein Schreiben des Landratsamt Rosenheim vom 18.08.2020 im Fall Jessica Z. an das Amtsgericht Rosenheim vor, das vermuten lässt, dass die Mutter von der Behörde mit ihren Kindern erpresst wird, damit sie aufhört, sich an unabhängige Medien zu wenden, die weitere Fehler in diesem Fall aufdecken könnten.

Wie berichtet, wurde in einer Reportage von RTL Punkt 12 am 18.08.2020 festgestellt, dass das psychologische Gutachten, auf dessen Grundlage der Mutter komplett das Sorgerecht für ihre zwei Söhne entzogen wurde, „gut für den Papierkorb“ sei. In der Reportage kam auch Jessica Z. zu Wort. Dies scheint dem Kreisjugendamt in Rosenheim ein Dorn im Auge zu sein, denn es schreibt überraschend noch am Tag der Ausstrahlung der Reportage:

„Darüber hinaus versucht Frau Z. auch die Presse und die weitere Öffentlichkeit durch YouTube Videos zu involvieren, ungeachtet dessen, was die öffentliche Darstellung für Auswirkungen auf die Psyche der Kinder hat. […] Aufgrund der vergangenen Ereignisse besteht der dringende Verdacht auf massive Manipulation der Mutter, sodass eine seelische Gefährdung für die Kinder vorerst nicht ausgeschlossen werden kann.“

Diese Äußerung der Behörde ist verwunderlich, da doch vielmehr ein unzureichendes Gutachten, das zum Sorgerechtsentzug führte und wohl auch dazu, dass die Kinder ihre Mutter 15 Monate nicht sahen, die Psyche der Kinder schädigt. Warum nimmt das Kreisjugendamt die Erkenntnisse aus der RTL-Reportage nicht ernst und behauptet stattdessen, das öffentliche Aufdecken von möglicherweise fehlerhaften Gerichtsentscheidungen sei schlecht für die Kinder?

Hinzu kommt, dass das Kreisjugendamt nicht beschreibt, wie sich eine kritische Öffentlichkeit negativ auf die Psyche der Kinder auswirken soll. Das Schreiben des Jugendamts verharrt in einer objektiv nicht nachvollziehbaren Behauptung.

Es ist zudem unlogisch, dass die Mutter für solche angeblichen Auswirkungen verantwortlich sein soll. Die Kinder leben nach ihrer Flucht zur Mutter gemäß Veranlassung des Jugendamts seit 30.07.2020 wieder beim Vater. Wenn die Kinder also im Fernsehen den RTL-Bericht oder die YouTube-Videos mit der Mutter gesehen haben sollten, dann, weil der Vater ihnen dies ermöglichte. Es käme also – wenn überhaupt – nur der Vater als Verantwortlicher für eine diesbezügliche Gefährdung der Kinder in Frage.

Es drängt sich daher der Verdacht auf, dass sich das Kreisjugendamt Rosenheim am Tag der Ausstrahlung des RTL-Berichts gezwungen sah, die Mutter Jessica Z. mit ihren Kindern unter Druck zu setzen, damit sich diese nicht mehr den Medien zur Verfügung stellt, die weitere Fehler aufdecken könnten – auch solche des Jugendamts. Wobei diese mutmaßliche Erpressung der Mutter mit deren Kindern, um eine Selbstzensur zu erzwingen, selbst eben so einen Fehler darstellen dürfte, den wir hiermit aufdeckten.

 

Das Artikelbild stellt nicht die Mutter dar.

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