Der Moment, wenn du…

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Der Moment, wenn du realisierst, dass du dich als Vater erklären musst. Dass du dich rechtfertigen musst, warum du ein ganz normales Leben mit deinem Kind haben willst, wie es die Mutter selbstverständlich tut.

…wenn du merkst, dass die Einigung mit der Mutter deiner Kinder, die Kinder gleichberechtigt zu betreuen, für den Arsch ist. Wenn sie – scheinbar ohne Anstrengung – einfach machen kann, was sie will. Dass sie dich aus der Familie kicken kann, wenn ihr danach ist.

…wenn du deine Kinder plötzlich und mehrfach gegen ihren Willen und unter Tränen zur Mutter bringen musst. Weil sie das will. Deine Kinder aber nicht. Und du eigentlich auch nicht.

…wenn deine Kinder dich bitten, dir zu erklären, warum sie bei einem Freund übernachten dürfen, aber nicht bei dir.

…wenn sie dich bitten, ihnen zu erklären, warum sie nicht länger bei dir bleiben dürfen. Warum sie dich nicht öfter sehen dürfen, oder länger Zeit mit dir verbringen dürfen. So wie früher!

…wenn die Kinder sich an all das irgendwann nicht mehr erinnern. Wenn sie ausblenden, was ihnen so viel Schmerz bereitet hat.

…wenn du realisierst, dass du Wochenendpapa geworden bist, weil die Mutter der Kinder das so will. Wenn du merkst, dass du das sein wirst, bis die Kinder keinen Bock mehr haben auf Spass am Wochenende. Wenn du versuchen musst, normales Leben an einem Wochenende ermöglichen zu müssen. Obwohl du das nie warst und nie sein wolltest.

…wenn du merkst, dass du derjenige bist, der Anträge auf Umgangsregelung bei Gericht stellen muss, damit sich irgendwas ändert und du dein Kind endlich sehen kannst. Oder endlich halbwegs lebbare Zeiträume mit ihm verbringen darfst.

…wenn du feststellen musst, dass dir das aber negativ ausgelegt wird und dir gesagt wird, dass du das nicht haben kannst, was du willst – also Chancengleichheit in der Ausgestaltung der Betreuung der gemeinsamen Kinder –, weil du mit der Mutter der Kinder darum streitest.

…dass deine Ansichten und Bedürfnisse als Vater nichts zählen.

…wenn du realisierst, dass du, wenn du vor das OLG gehst, weil Richter, Verfahrensbeiständin und Jugendamtsmitarbeiter die Mutter reflexartig schützen und gegen dich agieren, bzw. alles dafür tun, um die Situation so zu festigen, wie sie ist, dass du dann demnächst die Kinder komplett abschreiben kannst, weil sie von dir nichts mehr wissen wollen.

…dass du dich gegen den Vorwurf der Gewalt wehren musst, obwohl dies jeder Grundlage entbehrt.

…dass du mit der Trennung von der Mutter deiner Kinder automatisch in das Schema von Täter (Mann) und Opfer (Frau) rutschst. Je mehr du dich davon zu befreien versuchst, um so schwieriger wird es, da alles, was du sagst, als Ausdruck deiner Täterschaft (= die Frau nicht mehr unterstützen) deiner Ex-Partnerin und Mutter deiner Kinder angesehen wird.

…dass du erpressbar geworden bist mit der Liebe zu deinem Kind

…wenn du erkennst, dass es niemanden interessiert, ob du gut leben kannst. Dass du auch gut mit deinen Kindern leben kannst. Das es keine Rolle spielt, ob es auch FÜR DICH tragfähige und gute Lösungen gibt.

…wenn du erkennst, dass die Betreuungs-/Besuchssituation mit deinen Kindern jetzt die nächsten Jahre so bleiben wird. Dass es “Ankommenstage” gibt, die von der wenigen Zeit, die du hast, immer noch abgehen.

…Wenn du merkst, dass es ein Hochseilbalanceakt ist, die Bedürfnisse wahrzunehmen, die Kinder aufzufangen und eine intensive, aufbauende und “normale” Zeit mit ihnen zu leben.

…wenn du realisierst, dass du loslassen musst, um überhaupt ein Leben mit deinen Kindern haben zu dürfen. Wenn du dagegen weiter vorgehst, werden sie sich von dir abwenden.

Der Moment, wenn du realisierst, dass deine Kinder sich gegen dich wenden, weil sie sich für eine Seite entscheiden (müssen), um überhaupt überleben zu können.

Dieser Moment passiert hundertausendfach.

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