Sofortige Gehirnschäden bei Kindern durch Entzug eines Elternteils

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Lässt ein Elternteil die gemeinsamen Kinder nach der Scheidung nicht zum anderen Elternteil, dann schädigt dies das Gehirn der Kinder. Erkenntnisse auf dem Gebiet der Entwicklungsneurobiologie und der Entwicklungspsychologie, sowie der Bindungsforschung, haben dies nachgewiesen:

Schon eine sehr kurze Zeit der Separation der gemeinsamen Kinder von einem Elternteil schädigt die Gehirne der Kinder. Am Anfang der Trennung wird im Gehirn der Sympathikus aktiviert. Er treibt die Kinder dazu an, mit der Situation umzugehen. Das normale Verhalten ist dann, dass ein Kind nach dem vermissten Elternteil schreit oder weint, oder auf andere Art und Weise versucht, ihn zurück zu holen.

Die gemeinsamen Kinder unterdrücken diesen Impuls, weil sie sich zwangsweise bei dem Elternteil aufhalten, der sie nicht zum anderen lässt. Sie befinden sich in einem Dilemma, weil der sie in Geiselhaft haltende Elternteil den anderen Elternteil ablehnt, welchen die Kinder jedoch lieben. Mit der Zeit reagieren Kinder dann mit Wut auf den/die Geiselnehmer/in. Die Wut erklärt sich aus dem unterdrückten natürlichen Schrei des Sympathikus nach dem vermissten Elternteil.

Der Sympathikus will den für die Kinder idealen Zustand wieder herstellen, nämlich dass der andere Elternteil wieder zur Verfügung steht, als Quelle der Sicherheit und der Regulation des Gefühlshaushalts. Bleibt den Kindern der Zugang oder Kontakt zu diesem Elternteil verwehrt, dann wird das Gehirn eines jeden Kindes mit dem Stresshormon Cortisol überschwemmt, was die Kinder in den Kampf- oder Flucht-Modus bringt. Entweder kämpfen die Kinder für ihr Bedürfnis, den anderen Elternteil zu sehen (Wut, Aggression) oder sie geben auf (Resignation, Depression).

Der/die Geiselnehmer/in missachtet das Bedürfnis und bricht den Willen der Kinder, sich mit dem anderen Elternteil auch verbinden zu dürfen.

Ein lang anhaltend hoher Cortisol-Spiegel im Gehirn ist äußerst schädlich für Kinder, denn er zerstört Gehirnzellen. Zellen im Hippocampus sterben ab, wo Erinnerungen aufbewahrt werden. Das ist fatal, denn die Erinnerungen an den fehlenden Elternteil verschwinden so Stück für Stück. Tragischerweise zeigt sich hier, dass die Strategie der Entfremdung tatsächlich auf physischer Ebene funktioniert, weil Gehirnzellen und die darin enthaltenen Erinnerungen sterben, der vermisste Elternteil erlischt.

Aufgrund des Cortisol-Levels wird die elektrische Aktivität im Gehirn reduziert, wenn die Trennung vom anderen Elternteil anhält. Dies äußert sich typischerweise in Konzentrationsschwierigkeiten, z.B. in der Schule.

Ebenfalls in Leidenschaft gezogen wird die Amygdala, das Zentrum für Kampf- und Fluchtreflexe. Bei anhaltendem Umgangsboykott ist die Amygdala überaktiv. Dies beeinträchtigt die Fähigkeit der Kinder, Risiken realistisch einzuschätzen und gute Entscheidungen zu treffen. Anders ausgedrückt: Wer permanent in der Angst lebt, vom anderen Elternteil getrennt zu bleiben, der kann nicht mehr klar denken.

Die Entwicklung des präfrontalen Kortex, der uns Menschen von anderen Säugetieren unterscheidet, verkümmert und kann sich nicht weiterentwickeln. Hier ist unser Bewusstsein über uns selbst und andere verankert. Hier entwickelt sich unsere Würde. Wer Kindern einen Elternteil entzieht, nimmt ihnen ihre Würde, und zwar gemäß Art. 1 des Grundgesetzes und auf neurobiologischer Ebene, wie Prof. Gerald Hüther darstellt:

“Anders ist es allerdings mit der Vorstellung oder dem Bewusstsein seiner eigenen Würde. Das ist nicht gottgegeben oder in den Genen angelegt, das kann ein Mensch nur im Lauf seines Lebens selbst herausbilden und zu einem zentralen Aspekt seines jeweiligen Selbstbildes machen. Und diese individuelle Vorstellung, dieses Bewusstsein seiner eigenen Würde wird dann auch im Gehirn, im präfrontalen Kortex der betreffenden Person, in Form spezifischer neuronaler Netzwerkstrukturen verankert. Dieses innere Bild davon, was für ein Mensch man sein möchte, wirkt dann als Metakonzept, an dem eine Person ihr Denken, Fühlen und Handeln ausrichtet.”

Der Verlust eines Elternteils, selbst wenn „nur“ über kurze Zeit, beeinflusst nicht nur die cerebralen Strukturen des Gehirns, er hat auch einen langfristigen Effekt auf die Gesundheit der Kinder und kann einen früheren Tod zur Folge haben. Wesentlich für die langanhaltende psychische wie physische Gesundheit der Kinder ist die Bindung zu beiden Eltern. Auf Basis einer starken Bindung entwickeln die Kinder ihr Vermögen, die Welt zu erkunden, autonom zu agieren, neugierig zu sein, und selbstbewusst mit anderen zu verhandeln. Daher ist die wichtigste Determinante für die gesunde Entwicklung des Kindes, die Zeit, die es mit seinen beiden Eltern verbringt.

Diese Zusammenhänge werden unter anderem in den wissenschaftlichen Publikationen von Prof. Dr. Gerald Hüther (Neurobiologe, Universität Göttingen), Prof. Karlen Lyons-Ruth (Psychologin an der Harvard Medical School), Dr. Robin Deutsch (Psychologin, Director of the Center of Excellence for Children, Williams James College) und jenen zur Traumatherapie des emeritierten Prof. Habib Davanloo (Psychiater, McGill University) beschrieben. Diese wissenschaftlichen Erkenntnisse sind anerkannt und greifen im Fall von elterlichem Umgangsboykott bzw. Kontaktverhinderung.

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