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Jugendamt Bad Tölz diskriminiert gehörlose Mutter Brigitta B. und deren Kinder

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In diesem Video-Interview erzählt die gehörlose Brigitta, wie ihr aufgrund falscher Vorwürfe die zwei Töchter vom Jugendamt Bad Tölz genommen wurden. Seitdem werden sie und ihre Kinder von der Behörde bevormundet und diskriminiert.

Hier das Video:

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Hier die Zusammenfassung des Interviews, geschrieben von Brigitta:

Zur Beginn des Interviews stelle ich mich vor, wer ich bin. Ich bin eine normale Gehörlose und ein offener zugänglicher Mensch, der gerne mit den Menschen tiefe Gespräche, gerne Bücher liest, verreist, sich mit der Philosophie beschäftigt.

Zwar konnte ich zunächst hören, bin jedoch als kleines Mädchen ertaubt. Seitdem stoße ich tagtäglich auf Barrieren bei den Behörden, in der Öffentlichkeit wie Bank, Geschäfte, am Bahnhof, etc.

Dabei erlebe ich den sogenannten Deafaudismus. Deafaudismus bezeichnet die Diskriminierung und Bevormundung als Gehörlose unter Menschen, die man kennt, wie Familie, Schule, Freunde etc. Ich muss immer wieder auch unter Familie und Freunde um mein Recht und die mir gebührende Aufmerksamkeit kämpfen, sowie um das, was ich brauche. Immer wieder werde ich bevormundet, so wie „Ach, ich meine es doch gut mit dir“. So läuft das täglich für mich. Immer wieder. Wir Gehörlosen werden permanent diskriminiert und bevormundet. Es ist sehr anstrengend und nervig für uns.

Dann gibt es noch Ableismus. Unter Ableismus versteht man die Diskriminierung und Bevormundung der Gehörlosen durch die Öffentlichkeit, die sich mit den Gehörlosen nicht auskennt. Das ist noch schlimmer für uns. Wir werden immer wieder vertröstet und ignoriert.

Deafaudismus und Ableismus sind die größten Probleme für uns Gehörlosen, denn die Macht der Hörenden über uns macht uns zu schaffen. Es ist sehr anstrengen und mühsam täglich damit zu
kämpfen. Es ist für uns ein schweres Leben.

Aufgrund diese Barrieren mit der Behörden bekam ich Probleme mit der Kommunikation mit dem Jugendamt. Mir wurde Erziehungsunfähigkeit vorgeworfen und dass ich schwer depressiv,
krank und blind sei. Das wurde alles frei erfunden und es gab dabei keine Beweise, dass die Behauptungen stimmten. Weiterhin wurde mir fälschlich vorgeworfen, dass ich 24 Stunden am Tag bettlägerig sei und Rheuma hätte. Das alles finde ich sehr schlimm.

Ich fand es auch extrem, dass eine Ärztin der Kinder über mich Ferndiagnosen alleine aufgrund von Aussagen der Ergänzungspflegerin (angebliche Vormündin) erstellt hat, ohne mich je gesehen zu haben. Das ist eindeutig Ableismus. Meine Kinder haben nichts mit meiner angeblichen Diagnose zu tun. Diese Diagnose über mich hat in dem Bericht der Ärztin nichts zu suchen. Ohne mich je gesehen zu haben, wurde ich als erziehungsunfähig abgestempelt. Die Ärztin hat mich nie zu Gesicht bekommen und plädierte trotzdem für die Notwendigkeit der Heimunterbringung meiner Kinder aufgrund ihrer Ferndiagnose.

Aufgrund der Ferndiagnose der Ärztin drängte mich das Jugendamt Bad Tölz dazu dazu, ich solle zustimmen und unterschreiben, dass die älteste Tochter mit 15 Jahren in die Psychiatrie kommt, weil man sie sonst gleich in Obhut nehmen würde. Diesem Druck beugte ich mich. Die älteste Tochter wurde daraufhin am 08.01.2020 direkt in die geschlossene Psychiatrie verbracht.

Am 15.01.2020 gab es eine Gerichtsverhandlung, in der es um eine Inobhutnahme beider Töchter ging. Bei dieser Verhandlung wirde ich durch einen inkompetenten Dolmetscher für Gebärdensprachen benachteiligt. Obwohl ich alle Vorwürfe verneinte und es für meine angeblichen psychischen wie körperlichen Probleme keine Beweise gab, beschloss das Familiengericht am Amtsgericht Wolfratshausen die Inobhutnahmen beider Kinder.

Obwohl das Jugendamt die jüngere, damals neunjährige Tochter am liebsten noch am Tag der Verhandlung fremd untergebracht hätte, war sie noch bis 27.02.2020 bei mir und musste danach in eine Pflegestelle.

Das Gericht setzte mir eine Frist bis 30. Juni 2020. Bis dahin wollte man sehen, wie ich mich entwickeln würde und ob man mir die Kinder zurück geben könne.

Seitdem kämpfe ich permanent um mein Recht, einen kompetenten Dolmetscher für Gebärdensprache zu bekommen, der mir fast immer verweigert wurde. Ich wurde vom Jugendamt mehrmals in die Irre geführt, weil ich keinen Dolmetscher hatte. Das fing schon bei einfachen Fragen an, z.B. wo das Jugendamt ist und wer die zuständige Sachbearbeiterin ist. Ich bekam keine Unterstützung vom Jugendamt, auch nicht von der Familienhilfe.

Leider verlor ich nach der vom Gericht gesetzten Frist wegen der unbewiesenen Vorwürfe und der Kommunikationsblockaden das Sorgerecht für meine Kinder in den Teilbereichen Aufenthalt, Medizin und Schule.

Inzwischen lebte meine älteste Tochter ab Mai 2020 in einem sozialpädagogischen Jugendhaus in Bad Tölz und die jüngere seit Juli 2020. Im Grunde handelt es sich dabei um ein Kinderheim.

Ein Beschluss für die Verlängerung der Zwangsunterbringung meiner Töchter erfolgte erst im Februar und wurde nochmals veranlasst.

Meine Älteste landete in der Psychiatrie wegen angeblicher Suizidgefahr. Es ging von der Schulpsychologin am Gymnasium aus, die dem Jugendamt eine Meldung machte und das
Jugendamt sorgte dafür, dass meine Tochter in die Psychiatrie kam. Ich fragte meine Tochter, ob sie sich jemals überlegt gehabt hatte, sich etwas anzutun, was sie verneinte. Sie begann einen Monat nach ihrer Einlieferung in der Psychiatrie an, sich zu ritzen. Meine Tochter war richtig geschockt und verzweifelt, als sie plötzlich in der Psychiatrie gelandet ist und ihr bewusst wurde, was es heißt, in der geschlossenen Anstalt zu sein. Ob tatsächlich zuvor eine Suizidgefahr vorlag, spielte dann keine Rolle mehr.

Meine älteste Tochter erzählte mir, wie es in der Psychiatrie wirklich ist. Sie bekam keinen Hofgang und konnte sich weder sportlich bewegen, noch draußen aufhalten. Sie lebte in einem Zimmer mit weißen Wänden und einem winzigen Schlitzfenster. Sie durfte nicht einmal malen oder schreiben oder sich irgendwie beschäftigen. Es war richtig schlimm für sie. Sie konnte jeden Tag nichts
beschäftigen.

Für mich war es richtig schlimm, dass mein eigenes Kind in der Psychiatrie war. Ich war so hilflos und konnte es nicht fassen, dass es bereits Realität war. Ich war dagegen machtlos und konnte meiner Tochter nicht helfen und sie davor bewahren. Ich fühle mich so derartig diskriminiert (Ableismus).

Während dieser Zeit bekam ich eine sozialpädagogische Familienhilfe (SPFH), mit der ich an kommunikative Barrieren stieß. Diese SPFH konnte keine Gebärdensprache und ich musste meistens vom Mund ablesen. Sie konnte nur Kauderwelsch bzw. Babysprache. Es war sehr schwer und man verweigerte mir das Recht, einen Gebärdensprachdolmetscher zu bekommen, der die Kommunikation enorm zwischen mir und dem Jugendamt erleichtert hätte. Mir ist auch klar geworden, dass nicht alle Gebärdensprachdolmetscher gut sind. Dadurch ist man im Nachteil, denn die Übersetzung ging oft in die falsche Richtung.

Derzeit kämpfe ich darum, regelmäßigen Umgang zu bekommen, da ich seit etwa 9 Monaten keinen Umgang mehr hatte. Ich hatte im März eine Umgangsregelung beantragt und ich bekam den gerichtlichen Termin am 19.07.2021. Mein Ziel ist es, durch den regelmäßigen Umgang die Rückübertragung des kompletten Sorgerecht zu erreichen, so wie es der Anwalt mir geraten hat. Da ich den Richter abgelehnt habe, ruht der Gerichtstermin.

In diesem Zusammenhang ist interessant, dass mir kein Umgang ermöglicht wird, die Pflegestelle aber Umgang hat. Ich vermute, es wurde hinter verschlossenen Türen schon geplant, meine jüngere Tochter vom Heim in die Pflegestelle zu bringen, da meine älteste Tochter im nächsten Jahr 18 Jahre alt wird. Meine kleine Tochter würde dann allein im Jugendhaus sitzen, was sie nicht ertragen kann.

Alle beiden Töchter sind Gymnasiastinnen. Sie sind gute Schülerinnen und können beide Gebärdensprache und Lautsprache. Fünfzehn Jahre lang war ich eine gute Mutter und jetzt hat man sie mir aufgrund von Erfindungen weg genommen. Wir wurden mehrfach offensichtlich diskriminiert und ich habe schon mehrfach darauf aufmerksam gemacht, aber ich wurde als gehörlose Mutter nicht gehört.

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3 comments

  1. VéroniqueNeyen 22 November, 2021 at 10:50 Reply

    Deswegen ich hasse Jugendamt, herzlos , gefühllos für Gehörlosen , früher Gehörlosen haben viel Kinder bekommen , niemand hat Kinder weggenommen , jetzt weggenommen wie Unsinn, bäähhhhhh

  2. Familie T. 22 November, 2021 at 10:52 Reply

    Liebe Brigitta

    Wir finden es toll , das du den Mut hast , und an die Öffentlichkeit gehst .

    Jeder soll erfahren wie widerlich und Menschenverstand dieses Jugendamt arbeitet !
    Deine armen Kinder die leiden extrem unter den erfundenen Geschichten und du auch , diese Leute sollen sich schämen einer gehörlosen Mutter ihre Kinder zu rauben und dich dann noch zu diskriminieren nur weil du gehörlos bist . Das ist doch pervers und alle die das unterstützen sind es auch .

  3. Anonym 24 November, 2021 at 21:13 Reply

    Liebe Brigitta,

    Ich spreche im Namen vieler uns würde interessieren
    wie die zuständige Richterin heißt ?

    Ihnen alles Liebe für die Zukunft!

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